Serie „Man singt deutsch“ – Teil VIII: 2raumwohnung.

 

Vor mehr als 20 Jahren rollte die Neue Deutsche Welle übers Land und spülte Nena, Spliff und Peter Schilling an unsere Ohren. Es folgten die Abkehr und eine große Entfremdung im Pop gegenüber der eigenen Sprache. Mittlerweile drücken sich deutsche Bands wieder vermehrt in ihrer Muttersprache aus und stoßen mit frechen Sounds und Texten bis in die Charts vor. „Die Glocke“ stellt sie in loser Reihe vor. Heute: 2raumwohnung.

Womöglich waren 2raumwohnung die Vorreiter dieser Serie, als sie 2001 ihr Debütalbum „Kommt zusammen“ veröffentlichten. Die musikalische Vergangenheit von Inga Humpe und Tommi Eckart begünstigt zudem die (un)bewusste Einordnung in das 80er-Referenzcluster. Humpe arbeitet zu der Zeit mit den Neonbabies, DÖF und Palais Schaumburg zusammen, während Eckart auch in den Neunzigern mit Andreas Dorau Alben produzierte. Als 2raumwohnung bringt das Duo nun ihr drittes reguläres Werk heraus: „Es wird morgen“ (it-sounds/BMG).

Gibt es Neuerungen im Sound? „Wir haben von Anfang an klassisches Songwriting mit Clubtracks gemischt. Das ist auch wieder auf „Es wird morgen“ so. Ungefähr die Hälfte des Albums ist so gemacht wie auf den beiden anderen, die andere Hälfte hat neue Elemente: soulige, krautrockige Einflüsse und einfach mehr Töne.“ Mit Hits wie „Wir trafen uns in einem Garten“, „Sexy Girl“ oder „Ich und Elaine“ verschafften sie dem deutschen Electro-Pop mit Beats zwischen Tanzfläche und Sofa einen enormen Aufschwung. Mittlerweile gibt Humpe die Texte auch in fremde Hände, beispielsweise auf der aktuellen Single „Spiel mit“: „Der Text ist von Alexander [Adolph] und Michaela [Simon] und ich hatte durchaus Probleme damit am Anfang, weil es eben nicht meine Sprache ist. Die Sätze „Ich komm zu dir und spiel mit dir - du kommst zu mir und spielst mit mir“ sind mir nicht so leicht über die Lippen gegangen, aber ich vertraue den beiden und dadurch ist eine neue Farbe in der 2raumwohnung aufgetaucht.“

Charakteristisch bleibt zumindest die Stimme von Inga Humpe, die etwas nicht Greifbares und Nebulöses in sich trägt: einerseits klar und direkt, andererseits aber auch lasziv gehaucht; über der Musik schwebend, und doch in ihr versunken; Glück versprühend, und gleichzeitig zutiefst melancholisch. So bekommen die Zeilen eine ganz neue, beinahe esoterische Bedeutungstiefe, wie auch bei „Spiel mit“: „Es geht in dem Text um Kommunikation, was geschieht, wenn sich zwei Leute ansehen. Wann wird ein Gefühl ein Gedanke? Wann wird ein Gedanke ein Wunsch, etwa nach Berührung? Merkt der Andere die Gedanken? Wir können einen Moment sehr intensiv erleben. Ohne Humor kann ich das nicht verarbeiten: Humor und Sex zusammen ist eine schöne Variante, Feministinnen wissen, was ich meine - den anderen zeigen wir es dann bei Gelegenheit...“ Chance dazu gibt es auf der im Oktober beginnenden Tour.


Henrik Drüner