Luna Club feiert neunten Geburtstag

 

Kiel – Mittlerweile lohnt sich ein Rückblick für Kai Hellebrandt, Inhaber und verantwortlich für das Programm vom Luna. Neun Jahre Luna, das sind neun Jahre Clubkultur und Partypeople, neun Jahre voller Höhen und Tiefen. Der Club in der Bergstraße ist weiterhin eine Institution und willkommene Adresse für internationale Top-DJs und renommierte Künstler. Das gestraffte Geburtstagsprogramm an vier Tagen ist ein Dankeschön an alle DJs und vor allem an alle Gäste, die zwischen Minimal-Techno und Indierock einen homogenen Querschnitt des Kieler Nachtlebens genießen.

KN: Neun Jahre Luna, und ein Ende scheint nicht in Sicht, oder?

Hellebrandt: Tatsächlich ist keine Ende in Sicht, worüber wir uns natürlich riesig freuen. Manch andere Clubs in Kiel oder auch in ganz Deutschland haben weitaus früher ihren Zenit erreicht. Was ja auch nichts Ungewöhnliches ist. Die Gäste eines Clubs werden mit dem Club ebenfalls älter. Wir haben das Glück, dass unser Programm auch weiterhin von immer neuen und auch jüngeren Gästen angenommen wird. Für uns ist aber jedes weitere Jahr keine Selbstverständlichkeit.

Profitiert ihr nicht auch daran, dass in der Bergstraße momentan viel passiert?

Hellebrandt: Man könnte auch die Frage stellen, ob nicht die Bergstraße davon profitiert hat, dass wir seit 2000 hier sind. Ganz am Anfang gab es viele kritische Stimmen, dass die Bergstraße doch kein ungefährliches Pflaster für ein Club und deren Gäste sei. Im Laufe von neun Jahren haben wir ganz deutlich bewiesen, dass sich in der Bergstraße durchaus ein Club mit einem gehobenen Programm etablieren kann. Legendär waren die Jazzabende z.B. mit Ulita Knaus oder Martin Wind, bei denen mich ältere Gäste darauf völlig irritiert angesprochen haben, wie wir es geschafft haben, solche Gäste in die Bergstraße zu bekommen. Das passte überhaupt nicht in das Bild, was sie von der Bergstraße hatten.

Macht es denn immer noch Spaß, einen Club zu betreiben, gerade in diesen Krisen geschüttelten Tagen?

Hellebrandt: Klar bringt es immer noch Spaß, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen es einen jedoch nicht einfacher. Die Experimentierfreudigkeit und Risikobereitschaft leidet enorm darunter, und das nicht nur bei uns, sondern auch bei den Gästen. So ist die Jahresprogrammplanung immer ein Spagat zwischen Altbewährten und Neuen. Ein Beispiel aus dem TechHouse-Bereich: Moonbootica kommen zweimal im Jahr rum, dafür haben wir wiederum dieses Jahr nicht ganz so bekannte Künstler wie Tigerskin, Ben Klock und Adam Port eingeladen. Man muss sich einen Club und dessen Programmgestaltung wie ein Koch in seiner Küche vorstellen: Man hat wahnsinnig viele Möglichkeiten, nicht nur ein Gericht oder ein Menü, sondern eine ganze Karte zu kreieren. Entscheidend ist, ob der eigene Geschmack auch den Geschmack der Gäste trifft und ob man auf Gäste trifft, die auch Lust auf was Neues haben. Das Spannende daran ist, die Neugierde darauf zu wecken und zu sehen, dass es funktioniert.

Musstet ihr dafür über die Jahre euer Programm ändern oder anpassen?

Hellebrandt: Ja und nein. Das Schöne ist, das wir unser Ideal immer treu bleiben konnten, nur das zu machen, was uns selber Spaß macht und wo wir 100% dahinter stehen. Klar gibt’s immer wieder Veränderungen, aber nur in Nuancen. So hatten der KingKongKlub und Hörsturz vor zwei Jahren bei uns ein neues Zuhause gefunden und das Faszinierende war, dass es vom ersten Abend an so war, als würden diese Musikrichtungen schon immer dabei gewesen sein. Das war mehr oder weniger das Missing Link unseres regelmäßigen Samstagsprogramms. Ansonsten machen wir im Großen und Ganzen immer noch das gleiche wie am Anfang. Das erkennt man auch daran, dass einige DJs wie Soulfood, Gemkow und Soulfire Hifi sowie Musikrichtungen wie Funk, HipHop und Reggae seit neun Jahren stetig dabei sind. Mal mehr, mal weniger.

Das sieht man deutlich jedes Jahr bei eurem Geburtstagsprogramm…

Hellebrandt: Ganz genau, der Geburtstag zeigt zweierlei: Unsere lokalen DJs sind diejenigen, die mit ihren regelmäßigen Sets den Club beeinflussen, prägen und repräsentieren. Die meisten von ihnen sind wie gesagt schon seit Jahren dabei und ein fester Bestandteil des Clubs. Ganz klar, dass sie am Geburtstag auflegen und keine special guests von außerhalb. Des Weiteren fällt es auf, dass wieder vermehrt zu „älteren“ Stilen getanzt wird, also sowohl zu Funk als auch zu Oldschool-HipHop. Positiv bekommen das unsere Soulfood- und Body Rock-Abende zu spüren. Und: Die jungen Leute hören genauso Techno und können sich für Abseitiges begeistern wie unsereins. Nur dadurch funktioniert auch das harmonische Nebeneinander von mitgealterten Clubgängern und dem oftmals 15 Jahre jüngeren Nachwuchs.

Früher hattet ihr zum Geburtstag auch Konzerte und Lesungen angeboten. Wieso jetzt nicht mehr?

Hellebrandt: Tja, es ist wirklich schade, aber es ist so, wie es ist. Konzerte und Lesungen finden bei uns nicht mehr regelmäßig statt, das heißt aber nicht, dass gar nichts mehr in der Richtung passiert. So haben wir gleich an dem Wochenende nach dem Geburtstag den Ex-Chefredakteur von der Titanic, Martin Sonneborn, mit seinem Parteibuch zu Gast – unser Beitrag zur politischen Bildung ein Tag vor der Wahl. Im Oktober wird die Kieler Band Elephant Party ihr Debütalbum präsentieren und im November werden mit HipHop-Combos wie Delinquent Habits sowie Masta Ace zusammen mit Edo G. im Luna einen Zwischenstopp auf ihren Europatourneen machen. Da wird es sich wieder zeigen, wie gut der Laden für Konzerte und Aftershow-Partys gemacht ist.

Und wie sieht es mit der Fitness bei der ständigen Nachtarbeit aus?

Hellebrandt (lacht): Clubbing hält fit und jung…als Wellnessprogramm nur zu empfehlen. Wie 36 fühl ich mich irgendwie überhaupt nicht – körperlich dagegen schon manchmal. So hat mir jedes Jahr Luna im Schnitt drei Kilo mehr auf der Waage beschert. Die versuche ich nun, wieder Jahr für Jahr los zu werden. Das ist doch ein Ziel, solange weiterzumachen, bis ich mein Idealgewicht wieder habe… Insofern ist es keine Frage, ob das Jubiläum im nächsten Jahr steigen wird.


Geburtstagsprogramm (Eintritt sowie Getränke kosten jeweils nur die Hälfte):

Donnerstag, 21 Uhr: Der bewegte Abend. Filmgespräch und Filmclub mit David Georgi und Willem Strank. Überraschungsprogramm!

Freitag, 24 Uhr: ElectroTechHouse on 2 Dancefloors (upperfloor: 24 Uhr Westfehling, 2 Uhr Espa & Levente; downstairs: 24 Uhr Gemkow & Bright, 2 Uhr Der kleine Kiel & 4Takte, 4 Uhr delik8, 6 Uhr Xenon)

Sonnabend, 24 Uhr: Drum’n’Bass, HipHop, Funk, Soul, Indie on 2 Dancefloors! (upperfloor: 24 Uhr Profile, Retain & Cuebic, 2 Uhr Subsonic Pressure; downstairs: 24 Uhr Soulfood, 2 Uhr King Kong Klub / DJ Franky, 4 Uhr Starbeat Soundsystem)

Sonntag, ab 16 Uhr: Grillen und Chillen auf der Clubveranda

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