Ada im Luna

 

Als das Juchzen und die Pfiffe von der Tanzfläche beinahe die Musik aus den Boxen übertönte, huschte auch über das Gesicht von Michaela Dippel ein tiefes, ehrliches Lächeln. Die zierliche Kölnerin, die unter dem Künstlernamen Ada als Hauptact beim „Special Sweat“ im Luna zu Gast war, bekam vorher gar nichts mit von ihrer Umwelt. Zu konzentriert agierte sie am Synthesizer, Mischpult und Sequenzer, um zu registrieren, dass die Tanzenden ihr mittlerweile zu Füßen lagen.

Den Weg dorthin hatte die lokalen DJs Xenon und Till von Sein geebnet, die die Intensität in ihrem Set immer weiter steigerten, bis auch die letzten Unentschlossenen im Rhythmus zuckten. Aber wie so oft musste es erst zwei Uhr morgens werden, bis die Zahl der Feiernden eine passende Atmosphäre schuf, die Ada anschließend zu nutzen wusste. Geadelt durch ihren Songbeitrag „Luckycharm“ auf der aktuellen „DJ Kicks“-Compilation von Erlend Øye, versinnbildlichte sie während des gesamten Auftritts eben diesen Titel: als eine Glücksbringerin. Ohne Atempause mäanderten die Songs ineinander, schienen Anfang und Ende nur kategorische Hülsen im Strom der Beats & Sounds. Ada zog im positiven Sinne nicht die Blicke auf sich - das Partyvolk war gefangen in ihren warmen Keyboardflächen, die von blitzenden Markierungen der 4/4 Bassdrum und Hi-Hat durchzogen wurden. Der geplante Gesang fiel der Technik zum Opfer, doch auch oder gerade in der Instrumentalform wirkten die Wechsel zwischen ruhigen Phasen und Dynamikungetümen noch stärker. Warum Ada diesen oder jenen Knopf oder Taste drückte? Keine Ahnung, aber bei dem Klangergebnis auch unwichtig.

Sie brachte Glück und hatte davon anscheinend mehr abbekommen als Georg Levin und Steffen „Dixon“ Berkhahn im Vinyl. Dort blieb die Resonanz meist unterhalb des Party-Schwellenwerts, so dass die beiden Berliner etwas enttäuscht kurz nach vier Uhr ihren Plattenkoffer packten. Selbst der Gesang, der Multiinstrumentalist Levin auf seinen Produktionen besonders auszeichnet, konnte nicht vernommen werden. Grund? Fehlende Motivation angesichts der klaffenden Lücken auf der Tanzfläche. Geschmackvolle Tracks wie „Taken It All“ von Zoot Woman oder „Forever More“ von Moloko machten deutlich: Die haben es drauf, sowohl als Solisten als auch im Duo als Wahoo. Aber zu diesem Zeitpunkt riss ein Dutzend Anwesende keine Bäume mehr aus. Henrik Drüner