Alaska und The Soda Stream in der Schaubude

Harmonie und Hakenschläge

 

Kiel – Nicht nur bei Thin Lizzy hieß es 1976: „The Boys Are Back In Town“. Auch die aktuelle Single der Hamburger Indie-Pop-Band Alaska hört auf diesen proklamierenden Titel. Wohl deshalb, um das Ende der Kreativpause zu verdeutlichen. Gemeinsam mit den Labelkollegen von The Soda Stream machten Alaska auf ihrer kleinen Norddeutschlandtour Halt in der Kieler Schaubude. Ein Doppelkonzert im Stile einer Zeitreise.

Nach elf Bandjahren und kurz nach dem Erscheinen ihres Albums „Nouveau Liberty“ hatten sich Alaska 2005 aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ein Umbruch musste her. Mit frischen Kräften an Keyboard, Gitarre und Schlagzeug sowie neuen Songs tritt das Quintett nun wieder an, die britischen Musikerrungenschaften zwischen Britpop und Madchester-Sound, zwischen Twee und Shoegaze in die Jetztzeit zu retten.

Ähnlich wie Teenage Fanclub oder Belle And Sebastian – ihren Brüdern und Schwestern im Geiste – schaffen sie es dabei, in den Liedern Fragilität mit Dynamik zu vereinen. Einfache, hübsche Melodien und Texte, die nach Harmonie streben. Dazu meist dichte, extrem vielstimmige Gitarrenwände, die an den Nahtstellen durch flauschige Orgelakkorde zusammengehalten werden. Das klingt zwar nicht wirklich innovativ, aber weckt vor allem bei „She Was A Rock Star” positive Erinnerungen an Felt und Go-Betweens, also an Zeiten, als das Auf-die-Schuhe-starren zur formvollendeten Bühnenperformance gehörte.

Sänger und Gitarrist Torben Schmieder glänzt als ein im besten Sinne unprätentiöser Frontmann mit charakteristischer, sanft nörgelnder Stimme. Alaska zählen insofern nicht unbedingt zu den feurigen Live-Bands, aber einen Mitschnitt auf Platte würde man zu Hause nur allzu gerne hören.

Auch The Soda Stream haben eine lange Bandgeschichte mit einigen Durststrecken hinter sich. Bei ihnen dominiert eher ein Rock’n’Roll-Gefühl, schon am Bühnengestus auszumachen: Bassist Frank Schwesig und Gitarrist Christoph Hallmann stehen leicht versetzt, pflügen bei „Ride“ – einer ihrer Lieblingsbands und Inspirationsquelle gewidmet – durch ein synchrones Thema. Vor ihnen posiert Sänger und Gitarrist Lars Schneider, ehemaliger Kieler, als Elb-Dandy in dunklem Rollkragen.

Angetrieben von Björn Ehrich (Drums) versprühen die Songs mehr Impuls und schlagen überraschende Haken, doch im Vergleich zu Alaska hapert es an der Dichte in den Arrangements. Eine weitere Erkenntnis: Das Hamburger Label Marsh-Marigold, das im vergangenen Jahr bereits so wunderbare Bands wie Cats On Fire oder This Year’s Model in die Welt und vor allem in Kieler Clubs brachte, ist ein absolut geschmacksicheres Kleinod.