Das Andres-Loll-Roth Trio überzeugte in der Räucherkate Molfsee


Als Tina Andres die englische Version des Brel-Klassikers Ne me quitte pas anstimmte, muss großflächig Gänsehaut verbreitet worden sein. Die Sängerin des Andres-Loll-Roth Trios transportierte derart hochgradig emotional und feinfühlig die flehende Textaussage, dass in der Räucherkate Molfsee aus einem technisch versierten Auftritt ein rundum gelungenes Konzert wurde.

Das Trio, komplettiert durch Werner Loll (Vibrafon und Klavier) und Joachim Roth am Kontrabass, spezialisierte sich in dem zweigeteilten Programm hauptsächlich auf Immergrüns des Mainstream-Jazz und Gesangsvorlagen von Shirley Bassey, Billie Holiday oder Ella Fitzgerald. Doch dank der Arrangements von Werner Loll erklangen all die bekannten Melodien und Motive in einem neuen und meist frischen Aufzug.

Loll war es auch, der beim hochkonzentrierten Spiel durch Mitsummen seine konzertante Spannung abbaute und so in den ersten Reihen für Schmunzeln sorgte. Mit vier Schlägeln entlockte der ehemalige Schüler von Wolfgang Schlüter dem Vibrafon glockigen Wohlklang, teils flächig ausklingend, teils rhythmisch akzentuiert. Hier, wie auch an den Klaviertasten, bewies Loll ein feines Gespür für ausufernde Läufe abseits der eingängigen Thematik oder bewusst einfach gehaltene Akkordbegleitung.

Das Stilbarometer reichte dabei vom beschwingt groovenden Mercy Mercy Mercy (Joe Zawinul) über südamerikanische Leichtigkeit bei Agua de Beber (Antonio Carlos Jobim) bis zu besinnlich-meditativen Tönen. Joachim Roth griff je nach Bedarf auch zum gestrichenen Bogen, um einigen Songs noch mehr balladesken Ausdruck zu verleihen, überzeugte aber auch als Solist, etwa bei Cry Me A River von Arthur Hamilton.

Als Blickfang der Trios schien es zu Beginn, als habe Andres noch Probleme, sich ganz auf die Musik einzulassen: etwas zögerlich die Ansagen, etwas gekünstelt die Gestik. Doch die attraktive Lübeckerin steigerte sich im Verlauf enorm, so dass spätestens mit It's Alright With Me vor der Pause das Eis komplett aufgetaut war und Andres fortan ganz in ihrem Element agierte – symptomatisch die glasigen Augen nach dem angesprochenen If You Go Away. Das zahlreich erschienene Publikum honorierte das musikalische Können der drei Akteure mit viel Beifall und entließ diese erst nach zwei verdienten Zugaben. Andres-Loll-Roth Trio: Wir verlassen dich, kommen aber jederzeit gerne wieder!

Von Henrik Drüner

nordClick/kn vom 10.02.2004 01:00