Audrey - Klangbilder in Molltönen


Kiel – Mit ihrem Debüt "Visible Forms" erspielten sich Audrey vor zwei Jahren den Ruf der traurigsten Frauen Schwedens. Man sprach von erschütternder Wehmut, von einer neuen Dimension in musikalischer Melancholie angesichts der tonnenschweren Cello-Melodien, der düsteren Mollakkorde und des elfenhaften Gesangs. Jetzt kehrt das Quartett aus Göteborg mit dem Nachfolger zurück – und irgendwie bleibt alles anders.

Statt einer introvertierten, wortkargen Gesprächspartnerin erklingt eine klare und freundliche Stimme durch die Telefonleitung. Rebecka Kristiansson, Bassistin der Band, ist gerade mit dem Tourbus in Luxemburg-Stadt angekommen und begutachtet den Club, in dem Audrey ein weiteres Konzert der Europatour absolvieren werden. „Wir haben schon so viel gesehen, waren in Österreich, Deutschland, von Zagreb bis Lyon unterwegs. Aber ich vermisse das Meer unheimlich. In Italien konnten wir zuletzt im Mittelmeer baden, herrlich! Wie gut, dass wir nach Kiel kommen.“ In der Schaubude steht heute der Tourabschluss an, bevor es weiter nach Malmö zu Aufnahmen geht.

Kristiansson, Victoria Skoglund (Gitarre, Gesang), Emelie Molin (Keyboard, Cello, Gesang) und Anna Tomlin (Schlagzeug, Gesang) kommen aus demselben verschlafenen Nest nahe Göteborg. Verbrachten die Kindheit miteinander, verloren sich während der Schulzeit aus den Augen, um sich 2002 als Band wieder zusammen zu finden. „Es ist definitiv mehr als eine Zweckgemeinschaft, wir sind Freundinnen“, so Kristiansson. „Daher ist auch kein Zickenalarm zu befürchten. Wenn wir nach einem Konzert noch feiern wollen, feiern wir. Wenn wir müde sind, gehen wir schlafen.“

Audrey sind eine All-Girl-Band, die nach demokratischen Maßstäben funktioniert. Man arbeitet, erfindet und entdeckt im Kollektiv. Wie beim Debütalbum wechseln sich auch auf "The Fierce And The Longing" (A Tender Version/Al!ve) die Frauen am Mikrofon ab. Noch immer durchsetzen Audrey ihren verspielten Indiepop mit postrockigen Elementen, zeichnen mit Violine und dem zentralen Cello unaufdringlich dunkle Klangbilder. Zart und elegisch, aber nie traurig. Mut zu großen Popmomenten demonstrieren sie bei Big Ships oder Bleak, wenn sie in Richtung Sigur Rós driften und mit Björk-verwandten Stimmen bezaubern. Audrey sind oft ein Klang gewordenes Innehalten, gestützt durch eine liebevolle Präzision, mit der sie Töne und Umgebung verweben.

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