Souveräne Stimmgewalt

Ayak überzeugte im Nachtcafé


"A-y-a-k" skandierten die drei Backgroundsängerinnen im Intro, um gleich klarzustellen, wer die Hauptperson des Abends ist. Die ließ sich nicht lange bitten und trat mit viel Elan auf die Bühne im gut besuchten Nachtcafé – bei der spärlichen Ankündigung schien die Mundpropaganda bestens zu funktionieren. Neun Musiker quetschten sich rund um die farbige Sängerin hinter ihre Instrumente, ohne dass die Stimmgewalt Ayaks im Soundbrei unterging.

Im Gegenteil: Wohldosiert aufeinander abgestimmt, trug jeder seinen Teil zum gelungenen Gesamtsound bei, vom DJ über Keyboarder bis hin zum Schlagzeuger. Trotz ihrer 18 Jahre wirkte die in London aufgewachsene Sudanesin wie eine Künstlerin, die bereits mit allen Wassern des Showbusiness gewaschen ist: Keine Spur von Nervosität, ein sexy Outfit und absolute Bühnenpräsenz waren die Grundpfeiler eines kurzweiligen Konzerts, mit dem Ayak ihr kommendes Album vorstellte. Ausgestattet mit einer imposanten Stimme, die zwischen zartschmelzendem Hauchen und bellendem Ton in den Rap-Strophen variierte, wechselten die Songs von Balladen zu groovigen Funksongs. Erinnerungen an Macy Gray, Incognito oder She'Loe wurden wach – Namen, hinter denen sich Ayak keinesfalls zu verstecken braucht.

Von Anfang an war das Publikum auf ihrer Seite, genoss die stimmungsvolle Singleauskopplung I Don't Mind oder schwang zur housigen Tanznummer Don't You Stop The Music die Hüften. Die Tour-Musiker hatten nicht nur die Aufgabe von Statisten, sondern durften sich oft solistisch auszeichnen, wobei besonders der Keyboarder bei Voices In My Head zu überzeugen wusste. Nach einer Stunde war das Repertoire von Ayak jedoch erschöpft, so dass auch ein begeistertes Publikum nicht mehr als zwei Zugaben zu hören bekam. Man darf gespannt sein, wie sich die Karriere der jungen Sängerin entwickelt – das Kieler Konzert war zumindest ein starker Beginn.

Von Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 16.09.2002