Büro am Strand: Lokalkolorit der Wortakrobaten

 

Kiel – Hitzköpfe? Nein, den Eindruck macht das Trio von Büro am Strand nun wirklich nicht. Wahre Sunnyboys gehen alles ganz entspannt an. Und Mathias Winks alias MC Winkel? Ganz entspannt. „Wir sind eigentlich zu alt für den Kram, den wir machen“, räumt der Sänger der Kieler Band ein. „Aber mir macht’s Spaß, den Jungs sowieso, also probieren wir es einfach mal aus!“ Anlass ist die Veröffentlichung des ersten offiziellen Albums namens „Hitsköppe“.

Durch den 34-jährige Winks, der in seiner Freizeit einen Internet-Blog (http://www.whudat.de) betreibt und mittlerweile zu den Top-25-Bloggern des Landes zählt, vergrößerte sich Anfang 2006 die Band. Deren Gründer, Jörg „Jockel“ Franzen und Nico „Gürtel“ Güttges, beide 32, kennen sich bereits aus Kindheitstagen und starteten im Jahre 2000 das deutschsprachige HipHop-Projekt. Winks: „Man kannte sich, man mochte sich, so dass ich einfach mal reingeschnuppert habe im Studio. Ein bisschen Erfahrung brachte ich schon mit – und es lief auch ganz erfolgreich an.“

Gemeint sind damit der Song „Retter der Nation“ und das dazugehörige Video, das in Zusammenarbeit mit Ex-VIVA-Moderator Nils Bokelberg entstand und bei YouTube bislang knapp 420000 Mal angeklickt wurde. Ebenso der Nachfolger „Immer wieder Sonntags“, aus dem Mike Krüger für sein aktuelles Live-Album – mit Erlaubnis der Kieler – einige Zeilen verwendete. In den beiden Liedern firmierten sie als Büro am Strand feat. MC Winkel & Nilzenburger, doch nach mehreren gemeinsamen Auftritten kam irgendwann der Punkt, dass aus dem Duo ein Trio wurde.

Die vergangenen zwei Jahre nutzten die Wortakrobaten, um Songs für ein ganzes Album zu komponieren und einzuspielen. „Wir haben uns auch viel im Musikgeschäft umgeschaut, was heutzutage möglich und nötig ist. Eine gewisse Form der Partnersuche, mit der Hoffnung auf ein Major-Label.“ Schließlich entschied man sich für eine kleine Hamburger Plattenfirma und kümmert sich selbst um die Promotion. „BaS TV“ ist so ein Beispiel, wo die drei Beachboys in Kooperation mit Kiel Marketing Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen. Die erste Folge eine launige Hafenrundfahrt, geht es in der nächsten Folge zum Heimspiel des THW Kiel gegen Barcelona. Zudem schrieben sie mit Gastsängerin Kaya von DeltaRadio einen alten Song in „Sailing City“ um, der bald auf einer Kiel-DVD erscheinen soll. Ohnehin dominiert in den Texten reichlich Lokalkolorit. Winks bestätigt den Anschein: „Wir kommen gerne aus Kiel, da kann auch mal etwas zurückgeben. Als Sprechsänger muss mal auch representen im Sinne von Eastcoast oder Westcoast – wir bringen Kiel Sailing City auf den Plan!“

Die Beats und die Arrangements bei jedem Song steuert fast ausschließlich Güttges bei, bevor die anderen mit ihren Textideen ins Studio kommen. Winks ist voll des Lobes: „Er kriegt das immer hin, eine eingängige und melodische Hookline einzusingen, die aber nicht zu schmalzig ist.“ Und er zeigt sich auch selbstkritisch, wenn er über technische Verbesserungen im Rap-Stil nachdenkt. Zu viele A-B-A-B-Reime, wenig Verschachteltes oder Double-Rhymes. „Wenn sich das richtige Rapper anhören, dann schütteln die mit dem Kopf…das steht für das nächste Album an.“ Bis dahin muss aber noch das Projekt „100 Tage alkoholfrei“ absolviert werden. „Ich halt das für eine ziemlich dämliche Idee“, so MC Winkel bei Tag 34. „Ein Großteil der Gage besteht ja oft nur aus Naturalien, aber: Wir haben uns das so ausgesucht, dann müssen wir da durch.“

Sonnabend, 1. November, 21 Uhr, Tan Tamar (im Rahmen des Honky Tonk Festivals, inklusive DJ H-Yo und Freestyle-Überraschungen)