Babylove & the Van Dangos - Sofort auf Betriebstemperatur

 

Kiel – Welches Stück legt ein durchschnittlich versierter DJ auf, wenn von den Gästen Ska gewünscht wird? Höchstwahrscheinlich „A Message To You, Rudy” von 1967, ein Song, der seit der Specials-Neuauflage zwölf Jahre später zum Klassiker avancierte. Dabei gäbe es zumindest eine andere, stilvolle(re) Wahlmöglichkeit: Babylove & the Van Dangos’ „Run Run Rudie“.

Es ist der Name ihres Debütalbums und gleichzeitig der Titelsong, mit dem die Kopenhagener Band 2004 möglicherweise auf den Gassenhauer anspielen wollte. In der erfreulich gut besuchten Schaubude zeigt das Septett mit seinem Mix aus Ska, Reggae und Rocksteady, dass es zu Recht als eines der interessantesten Live-Bands dieser Genres gilt. Respekt allein für die Leistung, alle sieben Bandmitglieder auf die schmale Bühne zu quetschen und sogar mit individueller Bewegungsfreiheit zu versorgen!

Beim vierten Konzert vor Ort schwingt beinahe etwas Wiedersehensfreude durch den Raum, zögerliches Beschnuppern fällt komplett flach. Das Publikum, teilweise extra aus Flensburg angereist, ist sofort auf Betriebstemperatur. Angesichts des Sommer-Sonne-Sounds, für Monate gereift und durchgezogen im Offbeat-Zaubertrank, verwundert diese Begeisterung nicht. Der charmante Sänger Daniel „Babylove” Broman moniert zwar, dass er in der letzten Nacht nur vier Stunden Schlaf bekommen habe, aber das Rock’n’Roll-Leben fordert eben seine Opfer.

Und das heißt: Bis zu fünfstimmiger Gesang, unwiderstehliche Hooklines, Melodieakzente der Bläserfraktion (Posaunist Kristian „Funky” Rinck-Henriksen und Saxofonist Johan Bylling Lang), eine gurgelnde und jauchzende Retro-Orgel von Troels Kjær und die leidenschaftlich präzise Rhythmusgruppe mit Henry „Slapstick” Chulu (Bass) und Mikkel „Slave” Szlavik (Schlagzeug).

Das aktuelle Album „Lover’s Choice” lässt erkennen, dass Babylove & the Van Dangos die durch Schnelligkeit erzielte Härte vergangener Tage zugunsten eines absolut runden und harmonischen Bandgefüges abgelegt haben. Nicht falsch interpretieren: Die Dänen klingen nicht wie UB40, teilen ihre Stilschublade eher mit Kollegen wie den Slackers, USCB Allstars oder Moon Invaders. Aber die Eingängigkeit der oftmals unbekannten Songs ist verblüffend, beispielsweise „The Road Ahead”, wo die ganze Zeit der Sprung vom ausgebremsten Rocksteady nach vorne bloß angedeutet wird und alle Zuhörer wunderbar zur Verzweiflung treibt. Dementsprechend brodelt die Tanzfläche, auch im Zugabenblock, den die Van Dangos genüsslich ausweiten.

Neben einer „Stir It Up“-Coverversion von Bob Marley setzt vor allem Gitarrist Jakob Thomhav mit einem virtuos-furiosen Solo einen weiteren Höhepunkt. Kein Wunder, sind doch alle Van Dangos Musikstudenten und hinreichend geschult. Im seelenvollen Song „So Long Copenhagen” besingt Broman seine Heimatstadt im Refrain mit den Worten: „Believe me when I say, you’ll always be my best friend“. Es macht nach diesem Konzert den Eindruck, als hätten die Jungs mit Kiel einen weiteren richtig guten Freund an ihrer Seite. Und am 6. Juli lockt ihr heimischer Roskilde-Auftritt - ein zu erwartendes Gute-Laune-Spektakel…

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