Simpel wie ein Ego-Shooter - Bam! Hegenberg im Prinz Willy

Kiel – Wenn man sich fragt, wie ein Großteil der Jugendlichen seine Freizeit ausfüllt, so muss man an diesem Abend nur einen Blick ins Prinz Willy werfen. Dort haben sich knapp 100 Gamer für einige Stunden von ihrem wassergekühlten Hochleistungsrechner getrennt, um dem musikalischen König ihrer Szene zu huldigen. Ein groteskes Bild einer sehr leidenschaftlichen Subkultur.

Wann hat es das im Prinz Willy zuletzt gegeben: Tische und Stühle sind komplett an den Rand geschoben, an der Tür prangt ein „Ausverkauft“-Schild, weil bereits der Vorverkauf den Betreiber des grundsympathischen Eckcafés dazu zwang, eine geschlossene Gesellschaft als Gäste zu begrüßen. Jan Hegenberg (31) aus dem westfälischen Witten ist der Grund für dieses Novum, der sich bei Der Heiler womöglich selbst meint, wenn er posaunt: „Ich bin euer Heiland, ich bin euer Gott, ohne mich seid ihr alle tot“.

Bei den Liedern, die wie der "Warcraft Song" oder "Cheater an die Wand" vor allem Themen aus dem Bereich E-Sport behandeln, steht der Tod jedoch für die befristete Wartezeit bis zum Neustart. Aber auch der wurmt einen richtigen Zocker wie Hegenberg: „Ist schon doof, wenn dir bei einem Ego-Shooter das Ego weggeschossen wird.“

Mit Kollege Sepp, der sich leicht angeschlagen durch das Konzert schleppt, liefert der „erste deutsche Counter-Strike-Sänger“ eine Performance ab, bei der Ansagen, Songabbrüche, weitere Ansagen und dann Songfortsetzungen wohl zum Programm gehören. Und inbrünstig bejubelt werden. Selbst die Zahl der Zwischenrufe, die einem Bernd-Begemann-Konzert Konkurrenz machen würde, nutzt der „Gamer-Barde“ Hegenberg als Ventil für Publikumsbeschimpfungen („Einfach mal die Fresse halten“) und Liebesbekundungen („Du bist schon 'ne geile Sau“). Es gibt kein Dazwischen.

Musikalisch ist das Konzept nicht der Rede wert: zwei Akustikgitarren, simpel geschlagene Akkorde, solider Gesang, in Ansätzen erkennbare Zweistimmigkeit. Aber Bam! Hegenberg punkten auf dem Album Gamer sind geil nicht mit dieser harmlosen Mischung aus Pohlmann und den Ärzten (deren Song Die fette Elke wandelt er in Die fette Elfe) – es sind vielmehr die grenzdebilen Texte, die vom Publikum Wort für Wort mitgegrölt werden, nachdem die Songs über drei Millionen Mal auf die Festplatten gespeichert wurden. Einen Plattenvertrag schlägt der Musiker dementsprechend aus: „Läuft doch auch so!“

Die Zuschauer tragen T-Shirts mit Namen von Games Convention wie NorthCon 3000, belaben sich an der Solidarität innerhalb der Community, die sich am Wochenende auf LAN-Partys trifft. Im Anschluss an das Konzert lassen sie sich vom König Autogramme auf diese T-Shirts geben. Ein König, weil er ihnen aus der Seele spricht, wenn er das Gefühl besingt, sich morgens mit einem frischen Kaffee an den Computer zu setzen, sich in ein Online-Game einzuloggen und zu zocken – auch wenn die Freundin das nicht so gerne sieht. Zwischenzeitlich schwankt der Boden, weil Bots' "Was wollen wir trinken sieben Tage lang" von Hegenberg in Gamer-Sprache übersetzt wurde. Irgendetwas mit „La-la-la, du Sau“.

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