Beats für guten Zweck fanden in der Traum GmbH nur wenig Resonanz

 

"Eigentlich eine schöne Sache..." gibt sich Jan Hermannsen diplomatisch bedeckt. Er ist einer von sieben Discjockeys, die auf der Beatz 4 Benefiz-Party in der Traum GmbH das musikalische Programm gestalten. Ohne Gage, mit einem breiten Spektrum für einen guten Zweck: Der komplette Erlös aus Eintritt und Getränken wird an den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche e.V. gespendet.

Doch anscheinend ist das Interesse an Benefiz-Veranstaltungen nicht allzu groß – zumindest verlieren sich um Mitternacht nur ein Dutzend Partywilliger in der Halle2, dem Orange Club, um zu den Club-Tracks von Hermannsen aka DJ Turnstyle zu tanzen oder wenigstens zuzuhören. Auch in Halle1 sieht das Bild nicht wesentlich besser aus. "Wirklich `ne Sauerei! Da kommt aus beinahe jedem Kieler Club ein DJ zusammen – und dann ist nichts los. Im Nachhinein hätte ich besser in Bremen auflegen und anschließend die 1000 Euro Gage spenden können. Noch so einen Abend? Gerne – aber dann unter ganz anderen Voraussetzungen" beschwert sich Henrik Rost aka DJ Oxydent. "Zumindest komme ich dazu, meine neuen Platten anzutesten".

So hat alles Negative auch etwas Positives – ganz im Sinne der Ausstellung auf der oberen Ebene, mit dem sich der Förderkreis vorstellt. Wort und Bild illustrieren die Erfahrungsberichte von Patienten und ihren gewonnenen Kampf gegen die Krankheit – die Teelichter brennen für diejenigen, die ihn verloren haben. Ein Kommentar im Gästebuch zur Ausstellung zeigt, wie ansprechend diese Form der Öffentlichkeitsarbeit wirkt: "Offen, direkt, ohne Schnörkel, unter die Haut gehend, super!"

Beziehungsweise "wirken könnte", wenn der Grund für das Wegbleiben der Kieler gefunden würde. Susanne Leonhard, Geschäftsführerin der Traum GmbH, hat eine Vermutung: "Es ist echt schwer, die Kieler mit etwas Unbekanntem zu locken. Zu dieser allgemeinen Scheu kommt womöglich noch ein generelles Musikdesinteresse hinzu. Wo sind die Leute, die sonst zu den DJ-Sets beispielsweise von Oxydent gehen? Ich glaube fast, die Traum GmbH hat ein Image, nicht cool zu sein." In Zukunft will sie versuchen, mit offensiver Propaganda und spektakulären Aktionen dieses Image zu widerlegen. Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 04.10.2004 01:00

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