Bernd Begemann & die Befreiung in der Pumpe

Von Henrik Drüner

Im Vorfeld stand noch die eine skeptische Frage im Raum: Bernd Begemann mit Band - geht das gut? Nach dem knapp dreistündigen Konzert in der Pumpe konnten alle Beteiligten mit reinem Gewissen behaupten, trotz vieler Neuerungen ganz den alten Begemann erlebt zu haben. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen: Es war fantastisch, aber nicht überraschend.

Der Anblick, dass Alleinunterhalter Begemann nicht alleine auf der Bühne steht, irritierte im ersten Moment. Auch der Protagonist des Abends scheint sich noch an die Situation gewöhnen zu müssen, hinter sich drei exzellent aufspielende Musiker zu wissen. Immer wieder drehte er sich zu Bassist Ben Schadow, Keyboarder Kai Dohrenkamp oder Achim Erz am Schlagzeug um, als ob er sich vergewissern wollte, dass „Die Befreiung“ ihn wirklich zu einem Bandmusiker machen. Zwar blieb Begemann eindeutig zentrales Glied, doch keineswegs isoliert von dem Trio, sondern eingebunden in den Sound und die Arrangements der Songs.

Dank des perfekt aufeinander abgestimmten Bandgefüges bekamen diese einen wesentlich strafferen Eindruck, klangen rockiger und musikalischer. Besonders „Unsere Liebe ist ein Aufstand“, „Ich lerne täglich dazu“ oder „SeifenoperSituation“ vom aktuellen Album legten darüber Zeugnis ab, dass tatsächlich eine Befreiung im Begemann-Kosmos stattfindet. Denn auch die Balladen mit den tieftraurigen Texten wie „Wir träumen von Liebe“ oder „Es wird noch ein sehr schöner Tag werden“ boten eine verstärkte Struktur und instrumentalen Halt.

Obwohl sicher mehr Zuschauer in der Pumpe Platz gefunden hätten, wich die anfängliche Zurückhaltung, so dass sich Band und Publikum gegenseitig antrieben und mit ungefähr 23 Zugaben endeten. Die eingestreuten Hits Marke “Oh, St.Pauli“, „Gut im Bett“, „Judith, mach deinen Abschluss“ oder „Fernsehen mit deiner Schwester“ sorgten dabei für ausreichend Mitsingpotenzial. Ein Dauerplus: Bernd Begemann versprühte Sexappeal, tanzte, das Hemd klebte schweißgetränkt am Körper, er haderte, nuschelte, schwafelte – alles wie gehabt. Begemann weiß um seine Wirkung und formulierte es so: „Frauen wollen mich, und Männer wollen so sein wie ich“.

Großartig, wie er zwischen dem unantastbaren Genius und dem zerbrechlichen Zweifler schwankte, wie er die Publikumsbeschimpfungen von einst nun auf seine Mitspieler ablenkte, sich auf ihre Kosten profilierte und grob frotzelte. Denn Begemann gefiel sich sichtlich in der Rolle des knallharten Bandleaders – bei gleichzeitiger deutlich spürbarer Sympathie für seine Jungs und innigen Umarmungen.

Bernd, mach bitte weiter so! Wenn deine Mundwinkel und Augenbrauen synchron zucken, wissen wir, dass es gut ist.