Beginner bewiesen im MAX, dass HipHop sich bester Gesundheit erfreut


HipHop ist tot? Lang lebe Hip-Hop! Gemessen an der Begeisterungswelle, die den Beginnern bei ihrem Konzert im ausverkauften MAX entgegenschlägt, braucht man sich um die Zukunft der deutschsprachigen Variante dieses Musikstils keine Sorgen zu machen - zumal der größtenteils jugendliche Fan noch jahrelang einen potenziellen Käufer abgibt. Barbara hat richtig Spaß.

Eigentlich begleitet die Kielerin nur ihren Sohn Sebastian (13) und dessen Kumpel Joscha als Fahrerin und Aufpasserin, doch jetzt versucht sie, die typischen Armbewegungen der euphorisierten Zuschauer nachzuahmen und zeigt sich positiv überrascht: "Gestern war ich noch bei Eric Clapton in Hamburg und ging für das Wochenende von qualitativen Extremen aus - aber die Jungs sind wirklich klasse!" Sebastian ist das Verhalten seiner Mutter auf seinem ersten Konzert verdammt peinlich. Er sucht - perfekt durchgestylt und textsicher - schnell das Weite.

Schon Main Concept, der Support aus München, erntet mehr als nur höflichen Applaus. In Minimalbesetzung mit einem DJ (Explizit) und einem MC (David Pe) fehlt den Texten ohne Punkt und Komma jedoch der Wiedererkennungswert oder eine bekannte Melodie, so dass sich das überraschende Moment nach einer gewissen Zeit abnutzt. Aber ihre Rolle als Anheizer erfüllen sie bestens, bevor Jan Eißfeldt alias Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad mit Back In Town das MAX übernehmen.

"Beginner?" - "Beginner!". Tausend Hände werden in die Luft gereckt, während der Lärmpegel synchron zur Temperatur bedrohlich ansteigt. Eizi und Denyo bilden das zappelige "Duracell"-Duo ganz vorne am Bühnenrand und übergeben einander die Wortmacht am Mikro. In ihrer Eingespieltheit, gepaart mit Flow und Wortwitz, ergänzen sich beide perfekt und heben sich von der Konkurrenz ab. "Wollt ihr noch'n bisschen glücklicher werden?" - "Jaaa!" Doch ein MC kann sich nur voll entfalten, wenn auch der Beatgeber im Hintergrund perfekt zuarbeitet. DJ Mad zelebriert seine Scratchkünste, legt die Betonungen punktgenau bereit und wird zu Recht gefeiert: aus Michael Jacksons Bad wird kurzerhand "Mad", die Halle tobt.

Auf der "Blast Action Heroes"-Tour hat die Hamburger Formation noch einen Querflötisten sowie eine Backgroundsängerin im Gepäck, deren gehauchtes Timbre verblüffende Ähnlichkeit zu Ofra Haza aufweist. Frisches Material wie Gustav Gans, Fäule und City Blues vom aktuellen Album wird ebenso bejubelt wie ihr erster Hit Liebeslied in überarbeiteter Version. "Habt ihr noch Energie?" fragt Eißfeldt nach knapp zwei Stunden. "Türlich, Digger!", möchte man antworten und bekommt noch den Song Hammerhart geboten. Barbara erkennt ihn, wippt im Takt - und lacht. Von den Beginnern ist noch einiges zu erwarten, selbst wenn sie wohl nicht so lange wie Clapton auf der Bühne stehen werden. Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 06.04.2004