Die etwas andere Bigband


Ben Herman und "Blechschaden" drängten sich im KulturForum


Ein Jubiläum muss gebührend gefeiert werden. Am besten mit Posaunen und Trompeten. Ihr 25-jähriges Bestehen nahm die Lüneburger Bigband "Blechschaden" nun als Anlass, gemeinsam mit dem Saxophonisten Ben Herman aus den Niederlanden auf Tour zu gehen.

Die Bühne im KulturForum war gerammelt voll, drängelten sich auf ihr doch 22 Musiker dicht an dicht mitsamt ihren Instrumenten, Notenständern und Verstärkern; unter ihnen auch einige bekannte Namen und Gesichter aus der Kieler Musikszene. Schon in seiner Erscheinung machte das Ensemble einen imposanten Eindruck – ganz zu schweigen von dem Schalldruck, den allein die dreizehnköpfige Bläsersektion in gewaltigen Einsätzen verbreitete. Eine große Herausforderung also, aus den Einzelstimmen und Instrumentengruppen einen homogenen Gesamtklang zu erzielen.

Unter der Leitung des engagierten und bewegungsfreudigen Detlef Schult gelang diese Aufgabe bravourös. Nur in einigen Passagen wirkte der Sound überladen, ansonsten hatte jeder in den schmissigen Arrangements seinen Part als kleines Zahnrädchen. Dabei war das Ganze oft mehr als die Summe der einzelnen Teile. Bei Bob Mintzers Home Basie traten Gitarre und Rhodes-Piano solistisch hervor, bei Balboa die Rhythmusfraktion mit Schlagzeug, Percussion und Congas. Überhaupt, dieser Schlagzeuger! Nicht nur in den Soli, sondern das gesamte Programm hindurch begeisterte Ole Seimetz mit technischer Perfektion und dem nötigen Gespür für den Groove.

Da hatte es Ben Herman in dem furiosen Mix aus Dancefloor Jazz (Spank-a-delic), südamerikanischer Leichtigkeit und temporeichen Bigband-Rhythmen schwer, sich gegen die klangliche Übermacht zu behaupten. Mit vollem körperlichen Einsatz gelang es ihm jedoch, den Stücken mit verzierten Läufen und synkopierten Themen noch weitere Akzente zu verleihen. Weit entfernt vom gängigen Bild einer Bigband – inklusive Repertoire und Auftreten – verwunderte letztendlich auch nicht Cosmic Echos, das im Drum'n Bass-Gewand neue Möglichkeiten erschloss und musikalische Horizonte erweiterte.

Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 23.02.2002