Benedikt Jahnel Trio - Zwischen Tradition und Moderne

Kiel – Absolut sicher scheint sich Benedikt Jahnel seiner Rente als Jazz-Musiker nicht zu sein. Zumindest fährt der 28-jährige Pianist aus dem bayrischen Geretsried zweigleisig und studiert seit 2003 Mathematik an der TU-Berlin in den Schwerpunkten Mass & Integrationstheorie, Funktionalanalysis und Wahrscheinlichkeitstheorie. Die Wahrscheinlichkeit, dass er momentan nur wenige Vorlesungen und Seminare besuchen kann, liegt indes sehr hoch. Mit mehreren Bandprojekten fährt Jahnel auf der Überholspur – das nach ihm benannte Trio präsentiert er morgen in Kiel.

Benedikt Jahnels Wegmarken sind typisch für einen aufstrebenden Jazzmusiker, der mit erstaunlicher Souveränität und Lockerheit seinen Weg zwischen Tradition und Moderne geht: LandesJugendJazzOrchester Bayern, anschließend BundesJugendJazzOrchester unter der Leitung von Peter Herbolzheimer und zahlreiche internationale Tourneen. Auf viele erfolgreiche Alben mit diversen Gruppierungen kann Jahnel zurückblicken. Mit Max.bab begab er sich jüngst auf Spurensuche bei Simon & Garfunkel, und Cyminologys dritte CD "As Ney" wird Anfang 2009 vom namhaften Münchner Label ECM veröffentlicht. Davor sind Konzerte in Vorderasien im Namen des Goethe-Instituts geplant.

Mit der aktuellen CD "Modular Concepts" stellt sich Jahnel erstmals in der pianistischen Königsdisziplin vor: dem Klavier-Trio. Die Kompositionen reflektieren Eindrücke aus seinem zweijährigen Aufenthalt in New York zwischen Herbst 2005 und Sommer 2007. Dort machte er seinen Master in Jazzperformance (unter anderem bei John Patittucci, Clarence Penn und Jean-Michel Pilc) und unterrichtete als Assistant Teacher am CityCollege NewYork.

Jahnels zum Teil stark auskomponierte „Movements“, die sich aus bestimmten Grundbausteinen heraus entwickeln, werden kombiniert und wiederum neu zusammengesetzt. Eine spannende Mischung aus Improvisation, rhythmischen Passagen und lyrisch klassischen Stücken. Als Mitspieler hat er zwei gefragte Musiker der New Yorker Szene zu sich gebeten: Bassist Antonio Miguel und Schlagzeuger Owen Howard. Die hohe Kunst des Trios liegt darin, dass drei gleichberechtigte Musiker agieren. Jahnel wirkt wie ein Primus inter pares. Außerordentlich elegant wechseln die Akteure ihre Rollen – vom Begleiter zum Solisten und retour. Obendrein gibt es faszinierende Zwischenspiele, so genannte Interplays, bei denen alle gleichzeitig Soli zu spielen scheinen.

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