Black Eyed Peas

 

Den Weg vom musikalischen Underground zu Handy-Klingeltönen und Auftritten bei „Top of the Pops“ machen oft nur kleine, unscheinbar wirkende Faktoren aus. Auch die Black Eyed Peas, von deren aktuellem Album „Elephunk“ bereits die dritte Single ausgekoppelt wird, hätten sich nach der letzten Veröffentlichung „Bridging the Gap“ (2001) diese Entwicklung wohl nicht träumen lassen.

Entscheidenden Anteil am derzeitigen Erfolg kann definitiv dem weiblichen Neuzugang zugesprochen werden: Fergie besetzt nicht nur die Rolle als Sängerin, sondern versprüht in den Videoclips auch jede Menge Sexappeal und mischt die Jungs an ihrer Seite - Will.I.Am, Taboo und Apl.De.Ap - ordentlich auf. Genährt wird das Bild vom aufstrebenden Popstar noch zusätzlich durch Spekulationen über eine eventuelle Solokarriere.

Mit „Behind The Front“ begann 1998 die Zeit der Crew aus Los Angeles, die im Gegensatz zum damals dominierenden Gangster-Rap der amerikanischen Westküste hauptsächlich Songs im Stile des Native Tongue-HipHop produzierte. Damit werden die Gruppen wie A Tribe Called Quest, De La Soul oder Jungle Brothers bezeichnet, die ab dem Ende der 80er Jahre in New York aktiv waren und dabei mit sehr experimentellen Sounds und intellektuellen Texten arbeiteten.

„Elephunk“ entstand innerhalb von zwei Jahren und entspricht einem Brückenschlag von Rap zu Soul, Ragga, Funk und Rock. Bei aller gesellschaftskritischen Kritik in den Texten und dem Bewusstsein für die andauernde Unterdrückung ihrer afroamerikanischen Kultur klingen die Aufnahmen, als hätte das Quartett viel Spaß im Studio gehabt. Und diese Lebensfreude transportieren nicht nur die rotierende Singles „Hey Mama“ und „Shut Up“, sondern bleibt auf Albumlänge erhalten. Gemessen an der Qualität ihrer Songs dürfte den Black Eyed Peas ein langfristiger Platz im Rampenlicht sicher sein – inklusive der leidigen Nebenwirkungen namens „polyphone Klingeltöne“. Henrik Drüner


Aktuelles Album: „Elephunk“ (Polydor Island/Universal)
Weiterhören: The Roots „Phrenology“ (MCA/Universal), Outkast “Speakerboxx – The Love Below” (BMG), Common “Electric Circus” (MCA/Universal)