Bobby Baby im Prinz Willy

Federleichter FolkPop

 

Kiel – Kurz zeigt es sich, das Schreckgespenst für Künstler und Veranstalter: Stell dir vor, es ist Konzert, und keiner geht hin. „Um zwei Minuten vor Acht hatte ich noch Angst, dass es leer bleiben würde. Aber jetzt: Danke, dass ihr alle da seid!“ Ella Blixt freut sich aufrichtig über den regen Zuspruch und setzt mit ihrem alle Welt umarmenden Gesang ein. Unter ihrem Pseudonym Bobby Baby tupft die Schwedin federleichte, zart rosa Folkpop-Wölkchen an die Decke des Prinz Willy.

Ein richtiges Hascherl, denkt sich der Zuschauer beim Anblick der Gitarristin und Sängerin. Ohnehin zierlich und jünger aussehend als ihre 25 Jahre, plagt sie obendrein noch eine Erkältung. In den Songpausen kommt der Hustenreiz, vorm Naseschnäuzen die höfliche Entschuldigung. Und statt des geplanten Sightseeing in Kiel hat sie sich nachmittags ins Bett legen und kannenweise Frauenpower-Tee trinken müssen. Keine guten Voraussetzungen also für eine Musikerin, die vor allem auf ihre Stimme baut.

Doch die Stimme hält, und, sogar noch mehr als das: Sie spendet so viel Wärme, dass man sich Hineinlegen und Einkuscheln möchte. Rein und völlig unverstellt flutet sie den Raum, dazu die gezupften Saiten und zerlegten Akkorde der Akustikgitarrenbegleitung – über alle Maßen schön. Geradezu entzückend wird es, wenn Mini-Glockenspiel und Plastik-Melodica zum Einsatz kommen. Um nicht in diesem harmonischen, aber auf Dauer harmlosen Wohlklang zu sterben, erdet Bobby Baby ihre Songs mit einem Konserven-Mix aus dezenten Drum-Beats, Bass, zusätzlichen Stimmen und Streichern.

So entsteht eine veritable Band, die bei „Love To Dance“ oder „I Won’t Dance With You Baby Tonight” schwungvollen Indietronic im Stile von Postal Service produziert und effektiv mit der Dynamik zwischen Strophe und Refrain spielt. Tanzen ist jedoch nicht das einzige Thema von Ella Blixt. Im Singalong-Song „Tired of Snow” geht es um den genervten Zustand im Februar und März, wenn sich der Schnee und die Schauer körnigen Eises wieder in raue Berge zurückziehen sollen. „Ihr wisst sicher, was ich meine!?“ Nein, Ella, das wissen wir nicht. In ihrer neuen Wahl-Heimat Berlin, von wo aus sie versucht, ihre drei Musikprojekte anzukurbeln, dürfte dieses Problem auch unbekannt sein.

Das Repertoire von Bobby Baby entspringt komplett der eigenen Feder – bis auf einen Coversong der schwedischen Band First Aid Kit, bestehend aus den Schwestern Johanna und Klara Söderberg. Möglicherweise haben die beiden Nachwuchstalente – Jahrgang 1990 und 1993 – bereits eines der Pop-Camps besucht, die Ella Blixt organisiert. Wer sich Bobby Baby auf CD mit nach Hause nehmen möchte, wird an diesem Abend enttäuscht. Es sind bereits alle Exemplare verkauft, die für die gesamte Tour kalkuliert waren. Und das bereits zum zweiten Mal. Also merken wir uns den Namen vor, wie es die Zugabe vorgibt: „In Ten Years From Now“.