Bobby Baby kommt ins Prinz Willy

Wie ein Ebenbild ihrer fragilen Pop-Songs

 

Kiel – Einen kurzen Moment gerät Ella Blixt während des Telefongesprächs etwas außer Fassung. Als sie erfährt, dass ihr Konzert auf dem Veranstalter-Plakat als „Urban Hippie Shit” angepriesen wird, reagiert die schwedische Sängerin entrüstet: „Keine Ahnung, was das sein soll. Ich hoffe, es hat nichts mit meiner Musik zu tun!?“ Die nachfolgende Recherche bringt Licht ins Dunkel: Es handelte sich um die Stil-Beschreibung der Band Bugweed, die im Dezember im Prinz Willy spielte und deren Slogan versehentlich auf das Januar-Plakat übernommen wurde.

Von diesem Ausbruch abgesehen wirkt die 25-jährige Wahl-Berlinerin wie ein Ebenbild ihrer Songs. Freundlich, zurückhaltend, zart und fragil. Eine Konzertbesucherin findet auf dem MySpace-Profil von Bobby Baby, so der Künstlername von Ella Blixt, geradezu poetische Worte: Die Musik sei wie ein Frühlingsatem in einer kalten Winterzeit. Entsprechend erfreut ist die Komponistin: „Wenn das so bei den Leuten ankommt, wäre ich sehr glücklich.“ Es ist die paradoxe Kombination aus Melancholie und Hoffnung, die nicht nur charakteristisch im Bossa Nova zu sein scheint, sondern auch bei einem Großteil skandinavischer Singer/Songwriter.

Ellinor „Ella“ Blixt stammt aus Hultsfred im Südosten von Schweden. Mit 12 Jahren fing sie mithilfe einer Gitarre an, Lieder zu schreiben, drei Jahre später spielte sie bereits in verschiedenen Pop-Bands. 2002 erfolgte der Umzug nach Malmö, wo Blixt als Multiinstrumentalistin ihre Lieder im Alleingang produzierte. Daraus ergab sich 2005 die Veröffentlichung ihrer Debüt-CD „Loves To Dance” unter dem Pseudonym Bobby Baby, benannt nach einem Song der kanadischen Band Young And Sexy.

Angetrieben von den positiven Reaktionen, wagte Blixt im Herbst 2006 den Wechsel nach Berlin – trotz der sprachlichen Hürde: „Ich verstehe das meiste, doch das Sprechen fällt mir noch schwer. Wenn ich muss, würde ich mich auch verständigen können, aber eigentlich benutze ich lieber Englisch.“ In der Hauptstadt entstanden weitere Projekte, beispielsweise Bobby & Blumm, nachdem Label-Chef Thomas Morr sie dem Musiker Frank Schültge Blumm vorstellte; oder It’s A Musical mit ihrem Freund Robert Kretzschmar (aktuelles Album „The Music Makes Me Sick“).

Doch Bobby Baby ist ausschließlich ihr Ding. Sie mag dieses unabhängige, selbst bestimmte Gefühl. Daher organisiert sie nebenbei Pop-Camps für jugendliche Mädchen in Schweden („Popkollo“) und Deutschland („Ruby Tuesday Rock Camp“), mit denen sie mehr Frauen dazu ermutigen möchte, Musikstücke zu schreiben, zu produzieren und aufzuführen. Ihr eigenes Songwriting basiert auf zeitgleichem Komponieren und Texten. Wichtig sei, dass die Worte zur Melodie passen, die Textinspiration komme dann von alleine.

In diesen Tagen ist Ella Blixt viel unterwegs. Zwei Wochen lang jeden Abend auf verschiedenen Bühnen, immer mit der Deutschen Bahn von Stadt zu Stadt, im Gepäckfach ihre Gitarre. Am Vorabend in Großhennersdorf an der polnischen Grenze, dann Jena, Nürnberg, schließlich Kiel. Und die Tour läuft sehr erfolgreich: „Es sind bereits alle CDs verkauft, die für die gesamte Tour kalkuliert waren. Vielleicht liegt es an passenden Zeitungsberichten, vielleicht an meiner schwedischen Herkunft, vielleicht hab ich aber auch gerade Glück mit dieser Zeit.“ Es ist eben nicht alles im Leben „Urban Hippie Shit“.

Freitag, 20 Uhr, Prinz Willy (Lutherstr.9)