Zwischen Doors und Rio Reiser: Boutique Rouge spielen morgen in der Schaubude

Töne aus der Turnhalle

 

Eckernförde – An dem Konzept, deutschsprachige Gedichte als Songtexte mit Musik voll rauen und ernsthaften Charakters zu unterlegen, hat sich seit ihrer Gründung vor etwa zwei Jahren nichts geändert. Doch die Art und Weise, wie Boutique Rouge mittlerweile das Songwriting, ihre Aufnahmen und die weiteren Zukunftspläne angehen, wirkt verblüffend professionell. Morgen stellen sie in der Schaubude ihr kommendes Album vor.

Ein grauer, trüber Apriltag. Die Freie Waldorfschule Eckernförde ist ein roter Backsteinbau außerhalb der Stadt, malerisch mit Blick auf das Windebyer Noor gelegen. Mattheo Lange (Schlagzeug), Tim Raupach (Bass), Joachim Zunke (Gesang), Karsten Kröger (Gitarre) und Helge Hasselberg (Gitarre) bleibt noch ein letztes Wochenende im Studio, bevor die Turnhalle nach den Ferien wieder für Sportunterricht und Theateraufführungen genutzt wird. Helge Hasselberg hatte seine Kontakte zu Thomas Schmiedehausen, Lehrer an Hasselbergs ehemaliger Schule, spielen lassen. Und so bieten sich den Musikern aus Kiel und Hamburg verschwenderisch viel Platz und eine ganz besondere Akustik, um die Aufnahmen des Debütalbums zu realisieren.

Angefangen hatten Boutique Rouge in dieser Besetzung im Sommer 2006. Schon bald darauf mündeten die neuen kreativen Kräfte in eine CD mit fünf Songs. Zu Demozwecken für Veranstalter wie die Schaubude, wo Ende 2006 die Live-Premiere erfolgte. Schon damals entstanden Songs, in denen Sänger Zunke seine lyrische Ader auslebte: „Mal mich schwarz an, verschleier meine Gestalt, versteck mich hinter der Gelassenheit, lass die Leinen los, ich komm zu dir an Bord, wir fahren jetzt auf See, in den jungen Ozean“ (aus „Mal mich schwarz“). Vor allem wegen der gesanglichen Nähe zu Rio Reiser liegen Boutique Rouge mit ihrem Indie-Blues-Rock stilistisch zwischen den großen Eckpfeilern Ton Steine Scherben und The Doors, mit Exkursen in Richtung Selig und Element of Crime. Doch einen Stempel wollen sie nicht aufgedrückt bekommen. Verständlich.

Gastmusiker Zapple von der Kieler Band fju:z sitzt am Flügel. Aufgabe: ein Blues-Thema für das Lied „Electrisier mich“, als Intro eine rauschende Kaskade abwärts. Band: „Das muss noch tiefer!“ Pianist: „Noch tiefer?“ Band: „Geht nicht tiefer? Okay.“ Eine Version, dann noch eine, schließlich werden es fünf oder sechs. Hasselberg, der Mann für sämtliche Tätigkeiten an den Reglern, mischt die Tonspuren in den Computer zu den übrigen Dutzenden, die bereits in den vergangenen zwei Wochen eingespielt wurden. Monate brauchte er, das passende Equipment zusammen zu suchen, noch einmal eine Woche für den Aufbau des Mischpults und die Verkabelung. Stolz ist er auf die Mikrofonierung, die heutzutage außer bei Klassikaufnahmen gar nicht mehr benutzt werde. Sein Wunsch: Er möchte mit diesen Aufnahmen ein Bild malen.

Nachdem anschließend in Mattheo Langes Keller zusätzliche Overdubs und Korrekturen vorgenommen wurden, peilt die Band die Veröffentlichung des Albums inzwischen für März 2009 an. Joachim Zunke ist trotz der Verzögerung guter Dinge: „Jeder Künstler, der ein Werk schafft, kennt das Gefühl, ewig an etwas zu arbeiten – und sei es, dass das Werk zerstört und wieder neu begonnen werden muss.“ Daran ist momentan nicht zu denken, schließlich stehen demnächst Konzerte in Amsterdam und Wien an.

Freitag, 21 Uhr, Schaubude (Legienstr.40), Support: Mamasweed (Berlin)