"Brazilectro V" macht auf seiner Club-Tour heute im Luna Station


Brazilectro V - Club Tour Die Welt ist ein Dorf, und auf dem Marktplatz ertönt manch fremde Musik. Orientalische Rhythmen und Töne der indischen Tabla haben ihren Platz in den europäischen Hitparaden gefunden, in den Clubs erfreuen sich südamerikanische Stile zeitloserBeliebtheit, und jegliche Soundkombinationen scheinen mittlerweile möglich.

Das Label Audiopharm aus Hannover hat sich bereits mit CD-Compilations wie "Afrotronic" und "Asia Lounge" zur Aufgabe gemacht, diese verschiedenen Strömungen zusammenzutragen und dem kosmopolitischen Volk unterzujubeln. Die bekannteste Serie, "Brazilectro", geht bereits in die fünfte Runde – ein bewährtes Konzept schreit geradezu nach einer Fortsetzung. So auch die dazugehörige Club-Tour, die zum wiederholten Mal im Luna Station macht und in der Vergangenheit stets für ein volles Haus und ausgelassene Stimmung gesorgt hat.

Doch was steckt hinter Brazilectro? Musikalisch umschreibt es die Verbindung von traditionell brasilianischen Rhythmen wie Bossa Nova oder Samba mit Elementen der europäischen Electro-Szene. Besonders Diskjockeys und Produzenten nutzen diese Form der Stilverschmelzung, da es einerseits durch die klare Struktur der Beats eine sehr gute Tanzbarkeit ermöglicht, andererseits das hedonistische Moment eines Caipirinhas am Fuße des Zuckerhuts beinhaltet.

Im Zuge von After-Work-Parties, Lounge-Bars und Chill Out-Events wurde dieser neue Sound gnadenlos missbraucht und zweckentfremdet. Dementsprechend viele Lückenfüller wurden dadurch an die Oberfläche gespült. Die Brazilectro-Serie steht als Mutter der zahlreichen Brazil-Compilations jedoch außerhalb aller Kritik: Begonnen hatte es mit Neuinterpretationen von Klassikern wie Bossa Per Due oder Saudade, bevor Künstler wie Marcos Valle, Nicola Conte, Moodorama oder Zimpala ihre eigene Version von brasilianischem Jazz-Pop und cluborientiertem Latin-Groove kreierten. DJ Dave The Sheikh aka The Nonmaterial wird im Luna stellvertretend das Beste beider Welten auflegen. Songs, die ein bisschen wie Karneval in Rio klingen und so das Fernweh nähren.

Heute, 1. August, 23 Uhr, Luna

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 01.08.2003