Brazilectro im Luna

DJ Dave The Sheikh brachte dsen Sound und die Temperaturen vom Zuckerhut ins Luna. Es war nicht die Musik, die diesen Abend mit Brazilectro im Luna zu etwas Besonderem werden ließ. Nicht ein einzelner Gast oder spezieller Augenblick. Nein, wesentlich profaner und alltäglicher: die Hitze auf der Tanzfläche! Als wären sämtliche Heizstrahler der Stadt auf die untere Ebene des Clubs gerichtet, brachte DJ Dave The Sheikh nicht nur den Sound vom Zuckerhut, sondern auch gleich die dortigen Temperaturen nach Kiel.

Die Klimaanlage schien längst kollabiert zu sein und schaufelte nur noch stickig warme Luftmassen durch den Raum. Saunaclub Luna! Den Tanzwütigen aber war das schnurz: Im Schweiße ihres Angesichts bewegten sich glitschige Körper zu authentischem Samba, Bossa und treibenden House- und Electrobeats. Leicht bekleidete Beaus und Dancing-Queens zelebrierten die Brazilectro-Party und bejubelten die Dynamiksteigerungen aus dem Mischpult.

Der Hannoveraner Plattendreher – bereits seit '86 aktiv – fächerte ein weites Spektrum an Stilen: mal südamerikanisches Original mit Percussion, Trompeten, Vibraphon oder Trillerpfeife, dann knallharter Drum & Bass oder Latin House. Viele tanzten in Flip Flops oder barfuß, um den Bass intensiv unter der Sohle zu spüren; als sei es der feinkörnige Sand der Copacabana. Gläser vibrierten auf den grummelnden Boxen, wenn Röyksopp's Eple in doppelter Geschwindigkeit oder Summer Sun von Koop erklang. Erst in den Morgenstunden fand diese hitzige Party ein Ende – auf direktem Weg unter die Dusche.

Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 04.08.2003