Premiere der "BrunchKultur" mit Musik auf der "Stena Scandinavica"


Es verhielt sich bisher mit den Schiffen der Stena Line etwa so wie mit flüchtigen Bekannten, denen man täglich begegnet: Der Anblick ist durchaus vertraut, man grüßt sich freundlich, ohne etwas Konkretes über das Innenleben des Anderen zu wissen. Nun ist der Bann gebrochen: Dank der BrunchKultur in der Verbindung von spätem Frühstück und Live-Konzert der Relenberg-Bigband konnten die Kieler ihre Bekanntschaft zur "Stena Scandinavica" genussvoll vertiefen – ohne den Hafen zu verlassen.

Dass der Umgang mit Schiffen für die meisten nicht alltäglich ist, zeigt sich gleich zu Beginn: Wie komme ich von A nach B, von der Gangway hinauf in den Frühstücksraum? Zum Glück kann die Dame an der Information Licht in das Labyrinth aus Treppen, Gängen, Türen und Schildern bringen. Auf Deck 9 herrscht gegen Mittag reges Treiben, die Resonanz auf dieses Kulturangebot scheint sehr positiv zu sein. So sitzen Ute Pioch und Henning Puls vom Organisationsteam auch völlig entspannt am Tisch und lassen sich die skandinavischen Köstlichkeiten schmecken: neben den Standards eines gehobenen Brunches besonders Köttbullar, Lachs und Jordgubbssylt (schwedische Erdbeermarmelade). In gemütlicher Atmosphäre streift der Blick durch verregnete Scheiben auf die Förde oder den Berliner Platz und bietet einen ganz neuen Blickwinkel der Stadt.

Die Relenberg-Bigband der Musikschule Kiel swingt derweil ein Deck höher durch das zweigeteilte Programm aus Klassikern des Bigband-Repertoires, inklusive Take The A Train von Duke Ellington, Herbie Hancocks Cantaloupe Island oder A Night In Tunisia von Dizzy Gillespie. Bandleader Markus Schmidt-Relenberg fördert in den eigenen Arrangements eine frische Note dieser Evergreens, kitzelt Nuancen heraus und prägt dadurch den kraftvollen Sound des 20-köpfigen Ensembles. Bekannte Gesichter aus der hiesigen Jazz-Szene sprechen für die Qualität der Bigband sowie der einzelnen Stimmgruppen, die in den gediegenen Soli das Flair einer Kreuzfahrt vermitteln. Die Schachbrett-Tanzfläche glänzt einladend, doch mit vollem Magen genießen die Zuschauer hauptsächlich sitzend. Beim Gang auf das verlassene Sonnendeck brechen die Wolken auf und man malt sich aus, wie es hier – hoch über der Stadt – bei einem der nächsten Termine zugehen mag.

Henrik Drüner

nordClick/kn vom 07.04.2004 01:00