Buggy Braune Trio: Leicht und gut gelaunt

Kiel – Es ist nur ganz leise zu hören. Flüsternd berichtet Buggy Braune den beiden Mitspielern von seinen „kalten Flossen“, bevor er auf der Klavierbank Platz nimmt. Doch die sonstige Kühle eines Kirchenschiffs, weicht an diesem Abend in der Thomaskirche Schulensee beim Konzert des Hamburger Trios einer ganzheitlichen, jazzigen Wohltemperiertheit.

Jazz sei, wie Veranstalter Felix Boerschmann im Vorfeld sinngemäß ankündigt, dort zu Hause, wo die Leute hinkommen und Spaß dran haben, eben auch in Gotteshäusern. So füllen das ausgedünnte Schlagzeug, Kontrabass und ein wuchtiger Flügel den Altarraum, während sich die Zuschauer in die Sitzreihen zerstreuen. Auch für die Musiker mag der Ort ungewohnt sein, vor allem wegen der speziellen Akustik. Die Akteure sind gefordert, nicht mit ganzer Kraft zu agieren, dafür aber mit der ganzen Dynamik, die ihren Kompositionen innewohnt.

Ein Leichtes für das Hamburger Trio. Der 43-jährige Burkhard „Buggy“ Braune, in Kiel geboren, lehrt als Absolvent der Hamburger Hochschule für Musik und Theater inzwischen selbst dort als Dozent. Jazzgrößen wie Ulita Knaus oder Roger Cicero suchen Rat beim erklärten Freund des akustischen Klangs. Ihm zur Seite stehen Bassist Philip Steen und Drummer Kai Bussenius, der 2004 für ein Jahr in New York lebte und Kontakte zur dortigen Jazz-Szene knüpfte. Bussenius besticht durch sein kontrolliertes, trotzdem freiatmiges Spiel.

Beim zweigeteilten Programm greift Bandleader Braune auf ein stilbuntes Spektrum zurück. "Strayhorn Walking" sorgt dank Beckenmassage und Bass-Peeling für die aufgeraute Note und führt mit moderaten Ausbrüchen auch in dissonantes Terrain. Voll erzählerischem Gestus und plastischer Bildhaftigkeit, stellenweise schwelgerisch im Ton. Bei dem rasanten Weltraumritt "Spacecop" lässt Braune seine agile rechte Hand in den Läufen flirren, beim "Minor Gangster Blues" echte Südstaaten-Reminiszenz durchschimmern. Er verkörpert einen Klang-Ästheten, der sich nicht in den Tasten verbeißt, sondern feine Verästelungen in den Instrumental-Songs freilegt. Instrumental? Nun, nicht ganz: Mit summenden Lippen vertont Braune die Lieder nach, abdriftend in ferne Improvisationswelten.

Die zweite Hälfte bedient eher Anhänger elegischer Träumereien und pastellfarbener Schwärmereien: "Anele", gewidmet seiner Tochter Elena, oder das famose Stück "Dave O'Higgins", dem gleichnamigen Saxofonisten. Bass und Drums werden hier enger ans Arrangement geschnürt, doch das philharmonische Übermaß erweist sich als eine Stärke des Trios. Bussenius kann aber auch anders, wenn er gegen Ende in einem rasanten Drum-Solo ausbricht. Als Zugabe kommt der Komponist Oscar Levant zur Ehre des einzigen Coversongs. Musical-Pop wie ein gutgelaunter Freund.

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