Marion Campbell & The Racoons in der Schaubude

 

Welcher Song fällt dir ein, wenn du an Soul Music denkst? Diese Frage schien im Vorfeld des Konzerts von Marion Campbell & The Racoons per Stimmzettel ausgewertet worden zu sein: Die 18 üblichen Verdächtigen bekommen den Zuschlag und Eintrag in die Setliste, im Publikum kann jeder mitsingen oder zumindest mitsummen. Ein kleiner Schritt für die Musikwelt, ein großer für den Abend in der Schaubude.

Schon bald nach Beginn des Wunschkonzerts musste die Kassiererin den Nachzüglern ein freundliches „Ausverkauft!“ in Schleife aufsagen, der Eingangsbereich wurde zum Nadelöhr, drinnen stieg sowohl Stimmung und Temperatur als auch verbrauchte Luft. Die Aufgabenverteilung auf der engen Bühne war von Anfang an klar: Die sechs Waschbären, komplett in schwarz-weiß gekleidet, legten ein absolut professionelles Fundament für Marion Campbell und spielten ihr den Soundball zu. Trompeter Björn Gotzmann und Joachim Kopp am Saxofon strahlten um die Wette, wippten synchron im Takt, und alle dachten an die Blues Brothers - zu Recht. Schlagzeuger Boris Schulz hielt die Pausen zwischen den Songs kurz, zählte im Applaus schon den nächsten an und ließ so erst gar kein Abflauen der Dynamik zu.

Kein Verschnaufen, keine überflüssigen Ansagen oder Soli von Keyboard (Jürgen Rienow) oder Gitarre (Wolfgang Meis), denn die hungrige Meute wollte bedient werden. Marion Campbell, 22-jährige Schwarze aus London, verkörperte ganz den Typ Sängerin, die sich auf der Bühne wohlfühlt. Und sie fühlte sich pudelwohl: „I like it! I wanna party!“ Eine starke Ausstrahlung, gepaart mit gekonnten Gesten und einer variablen Stimme, fertig war der faszinierende Spaziergang entlang der Evergreens des Soul Genres.

Das vor knackigem Groove strotzende „Shake your tailfeather“, „Higher and higher“, “Gimme some lovin’”, „Respect“, „Think“, “Spanish Harlem” oder die Feuerzeugballade ”Natural woman” – Campbell intonierte sie nicht als Coversongs, sondern versuchte ihnen allen eine persönliche Note zu geben. Immer so nah am Original angelehnt, dass die Zuhörer nicht überfordert wurden, sondern sich ganz dem Abfeiern des eigenen Textgedächtnisses widmen konnten. Der Untertitel auf dem Konzertflyer – „The Authentic Sound of Soul Music“ – war Programm in der Schaubude. Mit sechsfach Blues Brothers und einer jungen Aretha Franklin kann man als Band nichts falsch machen. Henrik Drüner