Jungfernfahrt ohne Schiffbruch

Cpt. Hornblower & Crew in der Schaubude


Wenn ein Kapitän in See stechen möchte, muss er vorher vieles bedenken. Ist die Mannschaft vollzählig? Laufen die Maschinen rund? Würde es Sturm geben? Auch Cpt. Hornblower & Crew waren vor der ersten Seefahrt in dieser Besetzung spürbar nervös. Und dann auch noch bei geplanter Abfahrtszeit keiner da zum Verabschieden!? Erst nach und nach trudelten Freunde und Bekannte am Kai der Schaubude ein – letztendlich wurde es rappelvoll und eine ordentliche Sause.

Die fünfköpfige Mannschaft – komplett im schnieken Anzug – hatte sich Hardbop, Bebop und Blues auf die Flagge geschrieben. Eventuelle Fehler wurden bereits vor dem ersten Takt in der Begrüßung entschuldigt. Nur keine falsche Bescheidenheit, meine Herren! Der Kahn lief doch wie geschmiert: Eine Mischung aus Jazz-Klassikern von Horace Silver oder Nat Adderley und Eigenkompositionen, meist in der Struktur Thema-Improvisation-Thema mit Soli reihum, der Ordnung halber sogar im Uhrzeigersinn. Das Saxofongespann Jan Hölck (Tenor) und Ralf Böcker (Alt) erwies sich dabei als kongeniales Duo. Beide Instrumente fanden im Verlauf des Konzerts immer besser zueinander, ergänzten und verstärkten sich gegenseitig und füllten mit ihren unterschiedlichen Klangfarben den Gesamtsound. Vom Feinsten!

Im Schwof-Rhythmus erklangen Under The Sun Of Coal aus Hölck's Feder oder Cool Blues von Charlie Parker, unterlegt von der knackpräzisen Rhythmusfraktion, in persona Moritz Zopf am Kontrabass und Schlagzeuger Florian Eichstädt. Bei Skyscraper und The Sun Of Castrop-Rauxel glänzten die beiden mal mit funky Hardbop, mal mit vitalem Bossa, der die Schaubude in den Tanzsaal eines Vergnügungsdampfers verwandelte. Saxofonist Böcker machte mit Songtiteln wie Dear Old Erkenschwick nicht nur einmal darauf aufmerksam, dass seine Heimat im Ruhrpott zu finden ist – Jenny "from the block" lässt grüßen. Am E-Piano saß Uli Ebeling zwar zwischen den Stühlen von Improvisation und Begleitung, machte aber mit Spielfreude und ausgefeilter Technik dennoch eine souveräne Figur.

Statt in rauer See Schiffbruch zu erleiden, zogen Cpt. Hornblower & Crew einen sicheren Kurs vor. Warum auch bei der ersten Ausfahrt volles Risiko gehen? Das zweimalige Ankerwerfen hat zwar Zeit und einige Zuschauer gekostet, aber ans Ziel sind alle wohlbehalten gekommen – Musiker genauso wie Zuhörer.

Henrik Drüner

 

Kieler Nachrichten vom 08.03.2003