Catharina Boutari: Rebellische Liebeslieder

 

Kiel – Catharina Boutari beherrscht das Runterbrechen von bildstarken Beobachtungen auf wenige Verszeilen. „Fahr Mich“ steht stellvertretend für diese Gabe, wenn die Sängerin erzählt, wie ihre erste große Liebe sie von 14 bis 17 fast jeden Abend 20 Kilometer nach Hause gefahren habe. Dass man auf dem Land viel Zeit im Auto verbringe. Und dass dann der Moment gekommen sei, als sie plötzlich wusste: Er fährt sie zum letzten Mal, er wusste es aber noch nicht.

Catharina Boutari ist eine ungemein vielseitige Künstlerin. Die ehemalige Uh Baby Uh- Frontfrau, Label-Gründerin von Pussy Empire und Mitbegründerin des Frauenmusiknetzwerks Fiese Diven bezeichnet sich selbst als Poppoetin mit rebellischen Einschlägen. Die textliche Auflehnung ist immer präsent, das Bohren und Nachhaken, das Suchen, das Nichtfinden und Weitersuchen. Plädoyers für zivilen Ungehorsam. Viele Bescheidwisser wollen darin die künstlerische Nähe zu Nina Hagen begründet sehen. Beide verbindet zumindest die profunde Energie und der exaltierte Gesang. Ein flirrender Kosmos zwischen Oper und Punkwut.

Nach dem finalen Album von Uh Baby Uh vor sechs Jahren („The Big C From Venus Versus Triple J From Mars“) begab sich die Wahl-Hamburgerin auf Solopfade. Als erstes Lebenszeichen dieser neuen Ära veröffentlichte sie eine EP, bevor Ende 2006 die Aufnahmen ihres Debüts „Tanzschule Boutari“ (Tiefdruck/Universal) begannen. Es hält Popmusik mit Rotzgitarren und Zuckermelodien bereit, beinahe deutschsprachiger Poppunkrock, für alle, die gerne hoffnungsvoll unzufrieden sind. Nicht von ungefähr lautet Boutaris Song-Credo, „poetisch intelligente, manchmal leicht durchgeknallte Geschichten mit aufrührerischem Kapital“ zu schreiben.

Die aktuelle Platte besticht mit der bewussten Antithese zu einem 2Raumwohnung-Hit. „Nimm mich nicht mit / dein halbes Herz ist nicht genug“ singt Boutari im Refrain von „Nimm mich nicht mit“, in dem die Entscheidung getroffen wird, lieber zurückgelassen werden zu wollen, als nicht den ganzen Kuchen zu bekommen. Die Tochter eines Ägypters und einer Deutschen formuliert die Entscheidungsfindung so treffend, dass der Liedtext bei Rowohlt im Buch „Love Lyrics“ veröffentlicht wurde.

Überhaupt, Liebeslieder: In „Und keine Zeit ist richtig“ geht es um die Gewissheit, dass man sich trennen muss, obwohl man den anderen Menschen noch liebst. Und so den richtigen Zeitpunkt nicht finden kann – weil es ihn nicht gibt. „Roboterliebe“ beschreibt den Schwebezustand zwischen „Liebt er mich, liebt er mich nicht“ und „Lieb ich ihn, lieb ich ihn nicht“. Realität versus Illusion vom Prinz oder der Prinzessin auf dem weißen Pferd.
Einer Hommage an Nina Hagen und Goethe gleicht der kleine Hit „In einem Land wo die Zitronen blühen“, der schon die erste Uh Baby Uh-CD „Missy“ zierte, mangels Exemplaren auf Publikumswunsch jedoch noch einmal aufgelegt wurde.

Catharina Boutari darf das. Sie hat Opernregie studiert, in Harlem N.Y. die Feuertaufe als Spoken-Word-Artistin bei einer HipHop-Jam bestanden. Sie kann solo spielen oder in Bandbesetzung mit Angus Baigent (Gitarre, Synthesizer), Tobias Noorman (Schlagzeug) und Jan Rubach (Bass). Sie kann Vollstoff geben oder akustisch entschlackt auftreten wie im Prinz Willy. Umso näher kommen die rebellischen Einschläge.

Sonnabend, 20 Uhr, Prinz Willy (Lutherstr.9)