Clueso erklimmt die Karriereleiter Stufe für Stufe - aktuell mit seinem Album "So sehr dabei"

Warten auf glühende Sätze

Kiel - Schlummert in Clueso ein kommender Stadion-Popstar? Reichlich angefixt berichtet der Erfurter Sänger von der Herausforderung als Support-Act auf der Grönemeyer-Tournee. Bis zu Herbies Erfolgen ist es zwar noch ein Stück, doch dank des aktuellen Albums "So sehr dabei" (Four Music/SonyBMG) setzt Clueso seinen stetigen Weg nach oben fort. Am Mittwoch spielt der Songwriter samt seiner Band im Kieler MAX.

Dabei hat Thomas Hübner, der sich hinter dem detektivischen Künstlernamen verbirgt, als jugendlicher Hip-Hop-MC auch andere Zeiten erlebt: "Ich kann mich noch gut an Konzerte vor acht Leuten oder lediglich dem Veranstalter erinnern", so der 28-jährige Thüringer. Von den Erfahrungen mit Herbert Grönemeyer kann Hübner daher nur lernen. "Es ist beispielhaft, wie er mit dem Publikum kommuniziert, dabei Pathos liefert und doch ein privates Textbild integriert. Gesten sind auf Stadionbühnen ganz wichtig. Und Grönemeyer hat es drauf, komplizierte Akkordwendungen zu benutzen, die aber nicht auffallen." So sind auch Cluesos Shows mittlerweile geprägt von einer agilen Live-Performance im Zusammenspiel mit dem druckvollen, aber unbekümmerten Pop/Reggae-Sound seiner Band.

Wer sich nach dem genialen wie tollpatschigen Inspektor Clouseau aus Blake Edwards' Film "Der rosarote Panther" benennt, beweist ohnehin eine feine Nase für Humor und Selbstironie. Durchaus Anlass zum Galgenhumor gibt sein Werdegang, wenn man an die verbockte Theorieprüfung als Friseurlehrling denkt oder an den Wunsch, mit Gitarrenspiel am Lagerfeuer bei den Mädels zu punkten. Mittlerweile kann sich Clueso auf seine Musik konzentrieren, wenn er nicht gerade in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut weltweit deutsches Sprachgut repräsentiert.

Nach dem Album "Weit weg" (2006) betritt Clueso auch mit dem Nachfolger "So sehr dabei" stilistisches und textliches Neuland. Passend dazu beginnt die CD mit dem Song "Barfuss" und der Textzeile einer "Idee, einen anderen Weg zu gehen". Cluesos Erklärung für diesen Türöffner: "Es gab diesmal eine andere Herangehensweise, vor allem bei den Texten. Ich habe viel Bob Dylan, Neil Young und Songwriter-Sachen gehört, dazu die Biografien der Red Hot Chili Peppers und Sting gelesen. Normalerweise warte ich auf einen Satz, der glüht und ein bestimmtes Bild für einen Song mit sich bringt. Jetzt hab ich auf den zweiten Satz gewartet und beide in einem Song verarbeitet."

In Spanien mieteten sich Hübner und die Band ein Haus mit Studio. Dort konnten sie in aller entspannten Abgeschiedenheit eine gewisse Verspieltheit mit einfließen lassen. "Gleichzeitig haben wir gelernt, dass die Band weniger Matsch spielen muss, indem sie sich eher zurücknimmt und stattdessen miteinander verzahnt." In der Nominierung zur diesjährigen 1Live-Krone heißt es: "Clueso ist ein Songwriter, der quasi die Ereignisse der Welt direkt in seinen Stift überträgt und mit ganz genauen Details in den Textzeilen aufblitzt, die jeder nachvollziehen und mitfühlen kann." Bei dem Gelobhudelten klingt es etwas simpler: "Nachdenkliche Texte mit naivem Touch - das ist Clueso!"

Mittwoch, 20 Uhr, MAX (Eichhofstr. 1), Vorprogramm: Makabu