Coloma im Nachtcafé

Von Henrik Drüner

Vor dem Konzert schienen Alex Paulick und Rob Taylor noch skeptisch. Ängstlich fragten sie, ob es so leer bleiben würde und tranken sich mit Frischgezapftem Mut an. Absolut unbegründet: Am Ende eines unterhaltsamen und musikalisch spannenden Konzerts ließ das stetig nachrückende Publikum die beiden Herren von Coloma gar nicht mehr von der Bühne des Nachtcafés.

Den Reiz ihrer Live-Show beziehen die Wahl-Kölner zum einen aus dem Kontrast der elektronischen Elemente mit dem Gesang von Rob, zum anderen durch starke Brüche zwischen minimalen Elektroniksounds der Kölner Schule und handgemachten Singer/Songwriter-Parts an der Gitarre, Marke Lagerfeuer. Die Keyboarderin konnte an diesem Abend nicht mit nach Kiel kommen, so dass Alex und Rob ihr Programm spontan entwickelten, Songs nach Lust und Laune absprachen und dem Ganzen einen Happening-Charakter verliehen. Bei dem spärlichen Equipment (Laptop, Drumcomputer und Gitarre) war es dem Duo sogar gegönnt, mit der Bahn zu den Auftritten zu reisen – sehr praktisch.

Während Alex den digitalen Output bediente, brachte Rob mit seiner Stimme und herrlich britischem Akzent spürbare Wärme in den Gesamtklang, an die sich der Hörer schmiegen konnte. Der sympathische Schlacks changierte dabei zwischen Sprechgesang à la Underworld und maximaler Melodieseligkeit. Besonders bei „Summer Clothes“ bewies Rob, dass er richtig gut singen kann und nicht nur als Stimmbeilage zu den wabernden elektronischen Klangschleifen herhalten musste. Gekonnt balancierten Coloma zwischen Track und Song, versprühten teilweise großartigen Pop-Appeal, verstörten aber auch mit sperrig-knarzigen Beats. Beide Elemente belauerten sich und wollten sich nicht immer sofort in die Arme fallen, bildeten letztendlich aber eine homogene Einheit.

Denn das charmante Duo zeigte auch die andere Seite, reduziert auf Alex` rhythmische Gitarre und die bewusst eingesetzte Theatralik seines Partners am Mikro: Voller Pathos intonierten sie zweistimmig „If You Can’t Be Good“, schwelgten in tieftrauriger Wehmut und hingetupften, elegischen Akkorden im Balladentempo.

Als das Repertoire erschöpft schien, das begeisterte Publikum jedoch mehr verlangte, wurden kurzerhand Coversongs von Bruce Springsteen, Elvis, Billy Bragg oder Bob Dylan ausgegraben. Kein Problem für Coloma, eine große Freude für uns. Thank you very much indeed, guys!