"Reihe 17" in Kiel

Amüsante Hommage an Tom Waits und Paolo Conte

 

Kiel – Paolo Conte und Tom Waits könnten verschiedener nicht sein. Und doch gibt es einige Gemeinsamkeiten: die frühe Liebe zur Musik, insbesondere zum Jazz, die Liebe zu den Frauen und das kauzige Timbre. Grund genug für David Allers und Allan D. Jensen, diese beiden prägenden Musiker im Rahmen der „Reihe 17“-Abende im Kieler Schauspielhaus biografisch und diskografisch näher zu beleuchten.

Vom Zuschauerinteresse her ein Selbstgänger angesichts des Erfolgs der vorherigen Programme „Georges Brassens!” und „Chanson International!“. Dicht gedrängte Stuhlreihen im Schauspielhaus, wohl weniger mit Conte/Waits-Connaisseuren als mit Allers-Fans besetzt. Hinter eine Snaredrum positioniert, zieht der Schauspieler und Sänger die (Damen-)Blicke auf sich, glänzt mit Charme, Bühnenpräsenz und Wikipedia-Wissen. Begleitet wird er am Flügel von Allan Douglass Jensen, 1951 in San Francisco geboren und neben seiner Tätigkeit als Bar-Pianist auch ein hervorragender Wasserbettverkäufer. Gemeinsam lassen sie die Lebensgeschichte des italienischen Chansoniers und des amerikanischen Songwriters im steten Wechsel Revue passieren und belegen die jeweiligen Stationen mit Musikbeispielen.

Doch das Duo setzt noch einen drauf, indem es zwischen den Songs teilweise Dialoge im Stile von Jarmuschs Episodenfilm „Coffee and Cigarettes“ einbaut. Tom Waits sinniert dort mit Musikerkollege Iggy Pop über Kippen, Kaffee und die schlechte Auswahl der Jukebox, bei Allers (als redseliger Italiener) und Jensen (als introvertierter Amerikaner) dreht es sich beim Espresso um ähnlichen Nonsens. Die humorigen, teilweise zotigen Anekdoten über Kürbis-Zweckentfremdung in der Pubertät wirken im besten Sinne unterhaltsam.

Doch im Mittelpunkt stehen die musikalischen Preziosen. Chanson, Jazz und Schlager treffen bei Paolo Conte ungebremst aufeinander und werden von David Allers erstaunlich authentisch wiedergegeben, vor allem bei „Come Di“, „Un Gelato Al Limon“ oder „Via Con Me (It's Wonderful)“. Jensen obliegt die Aufgabe, das Markenzeichen von Thomas Alan Waits zu imitieren: Das raue Grollen seiner gurgelnden Stimme, hervorgerufen durch Unmengen an Zigaretten und Whiskey. Im Vergleich klingt Jensen zu sanft und lässt etwas die Brüchigkeit vermissen, doch den einsamen Kauz am Klavier nimmt man ihm bei „Another Man's Vine“ oder „Ol' 55“ gerne ab. Variationen im Sound ergeben sich durch die brummende Kazoo, einem von Contes Lieblingsinstrumenten, oder Jensens beherztes Spiel an der Squeezebox alias Akkordeon („Innocent When You Dream“).

Und das Duo weiß sich gegen Ende noch zu steigern: „Immaculate Confection“ über eine Jesusfigur aus Schokolade und der tieftraurige Blues „Ruby's Arms“ begeistern das Publikum. Und auch in den Zugaben wird der Zauber von Conte und Waits noch einmal deutlich, wenn „Genova Per Noi“, „Azzurro“ oder „Tom Traubert's Blues (Waltzing Matilda)“ erklingen und den Straßenkehrern, den Laternenanzündern und auch Matilda eine gute Nacht wünschen.

KN-Online