"Ich werde immer 'Dance' sein" - Interview mit DJ BoBo

 

Fragt man einen Passanten auf der Straße, ob ihm der Name René Baumann etwas sagt, erntet man in den allermeisten Fällen nur Achselzucken. Den Künstlernamen kennt jedes Kind. Denn DJ BoBo kann als Synonym für Popstar verwendet werden: Millionen verkaufter Platten, Konzerte in Fußballstadien, unzählige Auszeichnungen und ein prall gefüllter Terminkalender sprechen seit nunmehr elf Jahren eindeutig für den Schweizer. Mit dem neuen Album Visions kommt mit großer Wahrscheinlichkeit ein weiteres Kapitel der Erfolgsstory hinzu. Bei R.SH im Funkhaus Wittland gab es am Freitag Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem sympathischen Vollprofi.

Seit deinen Anfängen 1992 und dem ersten Hit "Somebody Dance With Me" hat sich im Musikbusiness viel verändert. Wie erklärst du dir deinen gleichbleibenden Erfolg?

Das ist richtig. Die Kollegen, mit denen ich begonnen habe – 2Unlimited, Culture Beat, Haddaway, Captain Hollywood – sind alle weg vom Fenster. Ich nehme an, der Titel Everybody war ausschlaggebend: Der hatte Crossover-Charakter und auch Erfolg bei Mami und Papi, nicht nur bei den Kids. Da fing auch das Radio an, meine Songs zu spielen. Vorher hatte ich nur Clubmusik produziert, war der DJ. Seitdem kamen, glaube ich, 22 Maxis in die Charts – ohne die Erwachsenen hätte ich das nicht geschafft.

Verfolgst du die Entscheidung von "Deutschland sucht den Superstar", und wenn ja, wer ist dein Favorit?

Nein, davon bekomme ich kaum etwas mit. Ich war gerade lange Zeit in Mexiko und Spanien. Dort gibt es die Show übrigens auch, bereits in der dritten Staffel, aber unter anderem Namen. Deshalb muss ich grinsen, dass es hier so eine Sensation ist. Ich kenne auch keinen der Finalisten, wobei ich meine, dass die Musik oder die gesangliche Qualität überhaupt keine Rolle mehr spielt. Das ist nur noch Marketing auf Emotionsbasis, ein "Ich mag den" oder "Ich mag den nicht". Ein gutes Konzept, dass auch die Macht des Fernsehens zeigt. Die Übriggebliebenden werden alle ihre Alben aufnehmen und Erfolg haben, egal, ob Dieter Bohlen nun dabei ist oder nicht. Das könnte irgendjemand an seiner Stelle machen. In den anderen Ländern gibt es auch keine Bohlens, und trotzdem ist die Show so populär.


Du bist jetzt 35, verheiratet und hast ein Kind. Könntest du dich nicht schon zurücklehnen oder versuchen, musikalisch etwas ganz anderes zu machen?

Man versucht immer, etwas Neues zu machen. Aber von dem Moment an, wo der Erfolg beginnt, ist für die Leute die Schublade besetzt – sowohl was Stil als auch Image angeht. Man kann sich noch so verändern: Ich werde immer "Dance" sein. Würde ich ein Album nur mit Balladen aufnehmen, schriebe man: "Ein großartiges Dance-Album! Zum Abtanzen in der Disco geeignet!" Das Phänomen gibt es auch bei anderen Künstlern. Bei Eric Clapton hab ich im Kopf immer den Mann mit der Gitarre, bei Eminem siehst du immer den bösen Jungen in HipHop-Klamotten.

Interview: Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 24.02.2003