DJ Storm, die Lady des Drum & Bass, zählt Prince und David Bowie zu ihren Fans


Am frühen Morgen des 25. April 1999 passierte es: Nach einem ihrer Gigs als DJ-Duo Kemistry & Storm waren Jayne Coneely und Kemi Olusanya auf dem Heimweg von Southampton nach London. Aus unerfindlichen Gründen verunglückten sie mit ihrem Wagen – Jayne überlebte, ihre Partnerin an den Plattentellern und beste Freundin starb. Das scheinbar unzertrennliche Dream-Team des Drum & Bass war entzweit und mit Kemistry schloss sich ein entscheidendes Kapitel der Popkultur der 90er.

Seit diesem Einschnitt führt DJ Storm alleine weiter, was sie zehn Jahre zuvor als Radiomoderatorin beim Sender Touchstone FM begonnen hatte: eine Karriere im männlich dominierten DJ-Metier, weltweite Fanscharen (Stars wie David Bowie, Prince oder Missy Elliot zählen dazu). Doch die so respektierte Halb-Irin kennt den Preis: "Wenn du als Frau einen Fehler machst, wirst du für sechs Monate nicht gebucht."

Infiziert wurde Coneely mit dem Jungle-Fieber im Londoner Rage-Club. Die hochgeschätzten Produzenten und Diskjockeys Grooverider und Fabio legten dort den Grundstein für die damals so erfrischende Integration von rhythmischen Elementen afroamerikanischer Musik in die Rave-Kultur. Bezeichnend: Erst durch Kemistry & Storm fand 1992 der bis dahin noch völlig unbekannte Goldie den Weg zu diesem Musikstil, bevor er zwei Jahre später das Metalheadz-Label in die Welt setzte und die beiden Grandes Dames als erfolgreiche Managerinnen einstellte. Deren Hauptbeschäftigung konzentrierte sich jedoch weiterhin aufs DJing und den Wunsch. Mit der Mix-CD zur "DJ Kicks"-Reihe (Studio K7) wurden auch Nichtclubgänger auf die wuchtig düsteren Beats des Duos aufmerksam.

Viel Zeit blieb Kemistry & Storm jedoch nicht zum Auskosten: Drei Monate nach der Veröffentlichung geschah der tödliche Unfall. Doch Coneely macht unbeirrt weiter. Zum einen, um den Skeptikern, die schon oft das Ende des Drum & Bass prophezeit hatten, das Gegenteil zu beweisen. Zum anderen aber auch für ihre Freundin Kemi: "Ich versuche, an unserer musikalischen Überzeugung zu arbeiten. Drum & Bass war immer unsere Inspiration. Kemi hätte gewollt, dass ich weitermache."

Henrik Drüner

Heute, 23 Uhr, Luna


Aus den Kieler Nachrichten vom 22.08.2003