„Deutschland sucht den Superstar“-Konzert in der Ostseehalle

Von Henrik Drüner

Das Grand Finale hätte kein Hollywood-Regisseur besser inszenieren können: Alle acht Sternchen auf der Bühne, Big Bohlen am Piano, „We have a dream“ auf den Lippen, ein Feuerwerk auf den riesigen Leinwänden im Hintergrund, Konfettiregen über den sich mittlerweile in exstatischer Trance befindlichen Fans im Innenraum der Kieler Ostseehalle – das war ganz großes Kino. Von ihrem ersten Konzert werden die Kleinen sicher noch lange zehren, bei Tausenden von Elternteilen schlagen zumindest Ohren und Portmonee noch Alarm angesichts des infernalischen Gekreisches ihrer Kinder und der horrenden Ausgaben: Die Karte für über 50 Euro, und obendrauf noch ein Leuchtbüschel für schlappe Sieben sowie ein T-Shirt mit „DSDS“-Motiv vom belagerten Merchandising-Stand…ein teurer Spaß für ein hell loderndes Strohfeuer der Unterhaltungsindustrie.

Es passte aber auch scheinbar alles im Ablauf des Spektakels. Zur Einstimmung Beats und Bilder der TV-Entscheidung - Emotionen pur. Ein aufgeweckter Dieter Bohlen machte den Conférencier und hoffte, dass „alle abgehen wie Harry“. Gesagt, getan. Genau wie an den Abenden zuvor starteten die Finalisten in der Reihenfolge ihres „DSDS“-Abgangs: Stephanie (Pink’s „Get this party started“), Andrea („Nein, ich weiß noch nicht, ob es ein Junge oder Mädchen wird“), der etwas tapsige Nektarios mit der ersten Feuerzeugballade, Nicole („Das Leben ist schön, Kiel ist schön und ihr seid geil drauf!“) und Gracia hintereinander weg. Dazwischen „Papa“ Bohlen mit der stets gleichen Frage („Und, wie geht es mit dir weiter?“) und der gleichgeschalteten Antwort („Nach der Tour kommt die erste Single“) - da kommt noch einiges auf uns zu!

Die sechsköpfige Band machte ihre Sache professionell gut, ebenso die agilen TänzerInnen. Daniel, der „Powerriegel aus Bayern“, schwebte an Seilen als Superman über die Bühne und glich fehlendes Gesangstalent mit Loopings aus – der Lärmpegel erreichte neue Höhen. Nachmittags beim RSH-Meet&Greet hatte er schon sein Erfolgsgeheimnis verraten: „Ich hab im Kindergarten gearbeitet, ich weiß, wie man mit Kindern umgeht“. Ihre Bühnenerfahrung nutzte Juliette, um mit Stimme und Performance etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Man glaubte ihr beinahe, dass das Kieler Publikum wirklich „der Hammer“ war. Bei Alexander (im schneeweißen Travolta-Outfit) gab es dann vor der Pause kein Halten mehr: „Take me tonight“ und „Maniac“ im Bad der „Alex“-Sprechchöre, im trügerischen Schein des Superstars. Verschnaufpause.

Im zweiten Teil dann die Medley-Blöcke. Die „DSDS“-Finalisten schlängelten sich durch die vergangenen Musikjahrzehnte, inklusive Rock’n Roll, ABBA, Steppenwolf, Tina Turner oder Aretha Franklin, mal alleine, mal mit gesammelter Mannschaft. Absolute Massenware, aber ausreichend, um die Stimmung in der Halle konstant auf höchsten Euphorieniveau halten zu können. Phänomenal! Die Tournee als Sprungbrett – doch ist überhaupt Wasser im Becken?