DJ Daddy G in der Pumpe

Was lange währt, wird endlich gut. Immer wieder wurde das Zusammentreffen von Daddy G und Kaos (Ghost Cauldron, Ex-Terranova) verschoben, doch jetzt bahnt sich ein Highlight im Kieler Nachtleben an, wenn in der Pumpe die Stilrichtungen Electro und HipHop ungebremst aufeinander prallen.

Im Grunde ist Massive Attack heute ein Ein-Mann-Projekt. Auch wenn das aktuelle Album „100th Window“ auf dem Papier das vierte von Massive Attack sein mag, ist es eigentlich das Solodebüt von Robert „3D“ Del Naja. Interne Querelen machten eine Zusammenarbeit zu diesem Zeitpunkt unmöglich. Und dennoch verkörpert Grant „Daddy G“ Marshall weiterhin die Musik und den Geist der Band aus Bristol im Südwesten Englands.

Angefangen hatte es 1983, als sich Del Naja, Marshall und Andrew „Mushroom“ Vowles zu „The Wild Bunch“ zusammenfanden. Auch Goldie und Tricky gehörten damals zu dem losen Bündnis aus DJs, Rappern, Graffiti-Künstler und Design-Freaks. Und schon zu dieser Zeit verband Wild Bunch die beiden Genres, die noch heute die tragenden Säulen stellen, auf denen das musikalische Fundament von Massive Attack ruht: HipHop und Reggae - damals für ein Soundsystem eher typisch als außergewöhnlich. Im Laufe der bahnbrechenden Veröffentlichungen „Protection“, „Blue Lines“ und „Mezzanine“ formte sich daraus die unglaubliche Mischung aus Schwermut und galanter Elektronik, die irgendwie immer mehr Soul hatte als alles bis dahin Gehörte.

Daddy G repräsentiert neben dem politischen Engagement (Massive Attack unterstützen großflächig Organisationen wie Amnesty, Greenpeace und das Rote Kreuz) musikalisch die Reggae- und Dub-Seite. Seinem Impuls ist der Kontakt zum Dub-Meister Mad Professor sowie das feste Engagement von Sänger Horace Andy zu verdanken, der nach einer internationalen Reggae-Karriere in den Siebzigern mit Massive Attack seinen zweiten Frühling erlebte. Henrik Drüner


Morgen, 23 Uhr, Pumpe