"Ich weiß nicht, was NuJazz ist"



Nur scheinbar handverlesene Nachtschwärmer nutzten zu später Stunde die Weite der Tanzfläche, als der überregional renommierte, 27-jährige DJ und Produzent Daniel Magg begann, seine Platten drehen zu lassen. Die Compost Night im LunaClub fand leider nur verhaltenen Zuspruch. Dabei war das Set von Magg mit geschmackvollen, houselastigen Tracks versehen, doch am Ende verriet ein leicht genervter Blick auf die Armbanduhr seinen Gemütszustand. Da hätte mehr drin sein können.

Wie kam der Kontakt zu Kiel zustande?

Ich komme eigentlich vom Bodensee, lebe aber jetzt in Hamburg. Der Kontakt zum LunaClub kam über das Jazzanova Booking in Berlin zustande.


Unterscheidest Du Dich im Stil von den etablierten Compost Records-Artists wie Rainer Trüby oder Michael Reinboth? Wenn ja, inwiefern?

Auf jeden Fall, weil ich aus einer ganz anderen Ecke – der House-Musik – komme, und somit andere Einflüsse in mein Repertoire als DJ einfließen lasse. Ich beziehe mich auch nicht auf Jazz.


Wo siehst Du denn die Wurzeln Deiner Musik?

Ganz klar in der schwarzen Musik. Funk, Soul und Latin aus den 60ern bis Ende der 70er, aber auch anspruchsvolle Tanzmusik aus der Mitte der 80er wie Original Garage und die Anfänge von House.


Welche Trends werden in Zukunft die Club-Kultur bestimmen? Wird die Zeit des NuJazz bald vorbei sein?

Ich weiß nicht, was NuJazz ist. Interessiert mich auch nicht, NuJazz stinkt! Die letzte musikalische Revolution war Techno mit der Einführung von Sequenzer und Drum-Computer, und ich denke, dass es sobald auch keine neue geben wird.


Zu Deinem Projekt "Worldless People": Wie sieht die Zusammenarbeit mit Wolfgang Rüter aus?

Wolfgang spielt Klavier und komponiert auch die Tracks. Ich bin vielleicht der "creative director", der sagt, in welche Richtung zum Beispiel der Sound gehen soll. Dann wird im Team darauf hingearbeitet, wobei der Gestaltungsprozess entscheidend durch Gespräche bestimmt wird.


Ist ein neuer Release geplant?

Wir haben im Moment einige Remixes für Kollegen am laufen. Außerdem sind für das kommende Album bereits sechs Songs fertig, bei denen schon deutlich eine Entwicklung im Songwriting zu erkennen ist.

Interview: Henrik Drüner

Kieler Nachrichten vom 14.01.2002