La Ola-Welle mit Abstrichen

Denkedrans in der Räucherei

 

Was wäre ein etablierter Fußballverein ohne Vereinshymne? Eben. Für den hiesigen KSV Holstein zeichnet sich die Kieler Band Denkedrans mit „Solange Holstein Lübeck schlägt“ verantwortlich und hat damit lokale Popularität erlangt. In der Räucherei stellte sich im Vorfeld die Frage, ob sie dieser in Konzertlänge gerecht werden würden. Zahlreiche Schals in den Kieler Vereinsfarben prägten im Zuschauerraum das Bild, doch zu Beginn durften Sven und Christian als „Schmerzfrei“ die Rolle des Anheizers übernehmen.

Zwei Akustikgitarren und Männerstimmen bewirkten Klassenfahrt-Feeling at it’s best mit Coversongs von John Denver bis zu den Beatles. Pluspunkt war hierbei besonders der zweistimmige, harmonische Gesang. Bei Denkedrans waren andere Stärken gefordert: gemäß ihrem Motto „Trashpunk meets Rockpop“ trieben Jan und Matze mit krachenden Gitarren und jeder Menge Energie aus der Kehle die Lieder nach vorne; da hatte sich niemand über nicht getroffene Töne zu beschweren. Gleich im zweiten Song wurde deutlich, daß in den zumeist deutschen Texten Humor mit Augenzwinkern eine große Rolle spielt – Textpassagen wie „sie hatte lila Brüste und ihr Arsch war grün“ sprechen wohl für sich. Selbst das unantastbare „Let it be“ versahen Denkedrans mit einer FunPunk-Kur, bei der Matze den Refrain munter ins Mikro gröhlte, während Schlagzeuger Andreas alle Hände voll zu tun hatte. Leider passte das Zusammenspiel zwischen ihm und der Band nicht immer, so daß der Spielfluß an einigen Stellen hakte. Bei Nenas „Leuchtturm“ durfte Sängerin Susann ran und harmonierte mit der Synthie-Orgel von Martin, die immer dann effektiv war, wenn melodische Themen über den satten Gitarrenriffs benötigt wurden.

Der programmatische Höhepunkt, die Holstein-Hymne, sollte doch bald folgen. Der harte Fan-Tross stimmte zum Mitsingen an, andere tanzten und klatschten zum rockigen Patriotentum und erzeugten ansatzweise Stadionstimmung. Da Fußballfans beim Skandieren bekanntlich in ihrem Element sind, gestalteten sich die Zugaben als äußerst zähes Unterfangen. Nach und nach waren fast alle Songs mangels Repertoire ein zweites Mal gespielt, die Holstein-Anhänger aber glückselig.

Henrik Drüner