Dexter Jones' Circus Orchestra: Bewusster Verzicht auf Verzerrer

Kiel – Wenn man es nicht besser wüsste, würde die Bandbeschreibung höchstens zu einem Gähnen animieren: „schwedischer Retro-Rock kombiniert mit mächtigen Gitarrenmelodien und eingängigem Schlagzeug, irgendwo zwischen peitschenden Riffs und Akustikballaden“. Vor allem in Kiel und der Schaubude kennt man diese skandinavischen Formationen und deren agilen Bühnenshows zur Genüge. Aber Dexter Jones' Circus Orchestra machen den kleinen Unterschied aus.

Man stelle sich als ersten Höreindruck vor, Queens of the Stone Age würden mit den Allman Brothers jammen. Oder aber eine Art Thin Lizzy 2.0, als ein Abbild der 70er Jahre in der Jetztzeit. Die weltweite Stoner-Rock-Gemeinde hat die Band bereits in ihre Arme geschlossen, auch die Kritiken in den Rockmagazinen jubeln überschwänglich, doch der eigentliche Clou beim Dexter Jones' Circus Orchestra besteht in dem Streben nach unverzerrten Signalen, nach Rock ohne Distortion – und das ist in diesen Kreisen wahrlich eine Rarität.

Tia Marklund (Gesang, Gitarre), David Israelsson (Gitarre), Fredrik Jonsson (Bass) und Daniel Israelsson (Drums) gründeten das etwas andere Orchester im Jahr 2000 in der nordschwedischen Stadt Umeå, die „Stadt der Birken“. Als erste Single-Veröffentlichung erschien 2003 "The Losers Are Back In Town", ein Jahr darauf das selbst betitelte Debütalbum. Nach größeren Festivalauftritten und einer Europa-Tour kam es 2006 anlässlich der EP "Morbyn Outtakes" zu innerbetrieblichen Umbesetzungen, zwei Bandmitglieder wurden ausgetauscht. Die neue Konstellation tourte im selben Jahr durch alle Metropolen der West- als auch der Ostküste der USA. Zum Abschluss und Höhepunkt spielten Dexter Jones' Circus Orchestra als erste europäische Band beim jährlichen „Stoner Hands of Doom“-Festival in Phoenix, Arizona, eines der angesagtesten US-Festivals im Rock/Stoner/Metal-Bereich.

Wieder zurück in Schweden, konzentrierte sich die Formation auf die Aufnahmen zum nächsten Album, das 2007 auf den Markt kam. Auf der aktuellen Tour präsentieren DJCO das Werk "Side By Side" (Fuzzorama Records/Soulfood), stets unter der Prämisse, dass musikalische Härte auch ohne Verzerrung funktioniert. Und wer wissen möchte, wer sich hinter Dexter Jones verbirgt, erörtere das am besten nach dem Konzert am Tresen.

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