Die Drei ??? in der Halle400

Das riecht verdammt nach einem neuen Fall für die Drei ???, einem spezial gelagerten Sonderfall. Was für ein Geheimnis verbirgt sich hinter der Hörspielserie, die nun schon seit über 20 Jahren und 100 Folgen die Hörerschaft in Atem hält? Kultiger Hype oder gehypter Kult? Zumindest führte das Spektakel schon an der Ampel vor der Gablenzbrücke zu langen Rückstaus, während in der Halle400 der Ausdruck „restlos ausverkauft“ eine neue Definition erhielt. Kinder und Jugendliche im Publikum konnten an zwei Händen abgezählt werden, den Hauptanteil übernahm die Altersklasse der 20-35jährigen, die merklich erwartungsfroh auf ihre Helden warteten.

Licht aus, Keyboardintro an. Fanatischer Applaus brandete auf, als die vertrauten Stimmen der drei Detektive erstmalig Gesichter bekamen - selbst die blinkende „Bitte Ruhe“-Aufforderung wurde anfangs ignoriert. In der neuen Folge „Master of Chess“ müssen Justus Jonas (Oliver Rohrbeck), Peter Shaw (Jens Wawrczeck) und Bob Andrews (Andreas Fröhlich) nach einer Autopanne Zuflucht auf Schloss Blackstone suchen. Wie zu erwarten, geht es dort nicht mit rechten Dingen zu: Im Schachzimmer werden Figuren von unsichtbarer Hand geführt, so dass Graf Gallagher glaubt, der Geist seines verstorbenen Bruders fordere ihn zu einer Partie heraus.

Doch die drei Detektive aus Rocky Beach kommen der Wahrheit mit viel List auf die Spur. Besonders Justus, der „dicke Schlaumeier“, kann sich auf seinen Spürsinn verlassen: „Ich habe die Tür mit einem meiner Haare fixiert!“ Sein Sprecher Oliver Rohrbeck glänzte jedoch als einziger mit Haarlosigkeit – großer Lacher. Überhaupt schien das Publikum den Akteuren aus der Hand zu fressen, und geizte nicht mit Szenenapplaus.

Zu sehen war kein Theaterstück im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr wurde die Studioatmosphäre auf die Bühne projiziert. Faszinierend spielerisch gelang das symbiotische Zusammenspiel von Sprechern, Geräuschemacher (Peter Klinkenberg) und Frank Ertel am Keyboard. Den Part des Erzählers übernahm Helmut Krauss mit sonorer Stimme, während sämtliche Nebenrollen von Frauke Poolmann und Joachim Lautenbach - sehr überzeugend als Diener Moe - gesprochen wurden. Am Ende stehende Ovationen.

Henrik Drüner

KN, 10.12.2002