Die Sterne

Von Henrik Drüner

„Wir werden leider das Gefühl nicht los, das irgendwas nicht stimmt“ - gleich mit der ersten Textzeile geben Die Sterne die Richtung vor, die sie mit dem mittlerweile siebten Album „Das Weltall ist zu weit“ einschlagen: ein zweifelndes Hinterfragen der Dinge, ein Aufruf zur Opposition und das Offenlegen von Missständen in der Gesellschaft.

Es sind genau die Themen und Standpunkte, mit denen sich auch gleichgesinnte deutschsprachige Songschreiber wie Jochen Distelmeyer (Blumfeld), Rocko Schamoni oder Knarf Rellöm auseinandersetzen.
Nach zwölf Jahren Bandgeschichte und Hits wie „Universal Tellerwäscher“ oder „Was hat dich bloß so ruiniert“ zeigen Die Sterne keine Spur von Müdigkeit oder Altersweisheit. Ganz im Gegenteil: Mit eigener Produktion, reduzierten Arrangements und dem Wechsel zu einer kleineren Plattenfirma fördert „Das Weltall ist zu weit“ ganz ausdrücklich den Do-It-Yourself-Gedanken.

Frank Spilker, Sänger und Gitarrist: „Eine Erdung des Ganzen war notwendig geworden. Bei den ersten Demo-Aufnahmen zum aktuellen Album hatten wir diese Vision und zogen sie dann konsequent durch.“ Die orgelnden Ausflüge (Richard von der Schulenburg) fallen weniger dominant aus, der Gitarren-Anteil wurde erhöht und der Gesamtsound möglichst unverbraucht erhalten.

Eine weitere Entwicklung im Bandgefüge: Während bei früheren Veröffentlichungen die Songs auf einem Groove von Schlagzeuger Christoph Leich oder Bassist Thomas Wenzel aufbauten und zusammen erarbeitet wurden, orientieren sie sich diesmal verstärkt am klassischen Songwriting – inklusive der jahrelangen Erfahrung gemeinsamen Probens. Bei „Wir rühren uns nicht vom Fleck“, einem in Töne geformten Sitzstreik, gaben so illustre Studiogäste wie Judith Holofernes (Wir Sind Helden), Thees Uhlmann (Tomte) oder Fettes Brot ihre Stimme des musikalischen Widerstands ab. Die Idee zu dem Song? „Wir dachten, dass es mit so vielen Beteiligten bedrohlicher wirkt und auf etwas Größeres verweist. Ein 'Schutz-Wir', das man sich einrichtet, wenn man angegriffen wird“ beschreibt Spilker die Solidarität im Randbezirk. Denn das Weltall ist zu weit – und der Rest ist schon verteilt.


Konzert: 31. Mai, Hamburg - Knust