„Ich bin wohl so etwas wie der letzte Mohikaner“ - Dieter Thomas Kuhn im Interview

Kiel – Für die „singende Föhnwelle“ Dieter Thomas Kuhn ist diese neue Liebe wie ein neues Leben. Nach mehrjähriger Auszeit macht er es sich wieder in seiner vermeintlich heilen Welt mit griechischem Wein gemütlich, schwebt entweder über den Wolken oder tanzt barfuß im Regen. Der 43-Jährige aus Tübingen galt in den 90ern als erfolgreicher Vertreter des Schlager-Revivals, indem er mit Cover-Versionen deutschen Liedgutes auf den Spuren von Dschinghis Khan und Charly Brown wandelte. Eine Bauchlandung erlebte Kuhn 1995 im Schauspielfach: Die Filmkomödie Der Trip - Die nackte Gitarre 0,5, ein Satire-Versuch auf die Flower-Power-Generation, zählt im Lexikon des Internationalen Films zu den „schlechtesten deutschen Filmen des Jahres“. Jetzt ist DTK mit dem aktuellen Album Musik ist Trumpf und seiner so genannten Kapelle auf Tour.

Fühlst du dich als der letzte Mohikaner des Schlager-Revivals?
Kuhn: Von außen betrachtet könnte man sagen: Ja. Aber es fühlt sich für mich persönlich gar nicht so an. Es gab schon Mitte der 90er, als die Bewegung ihren Lauf nahm, sehr wenig Konkurrenz. Mittlerweile bin ich wohl so etwas wie der letzte Mohikaner. Ich schätze, dass uns die Schlager-Pause zwischen 1999 und 2003 sehr gut getan hat. Mit Erstaunen konnten wir danach feststellen, dass unsere Fans immer noch zu uns stehen. Wir brauchten daher das Repertoire auch gar nicht zu erweitern.

Also war die Veröffentlichung „Null/Eins“ von 2001 nur ein einmaliger Ausflug in die Pop-Welt?
Ja, das war nicht unsere Welt, einfach nicht unser Business. Wir wollten mit eigenen Songs und einem seriöseren Image einen Neuanfang starten, doch wir konnten dieses Konzept auf der anschließenden Tour nicht transportieren. Insofern floppte die Platte völlig zu Recht – nicht nur in kommerzieller Hinsicht.

Wie war das Verhältnis zu Guildo Horn?
Es besteht zwar kein Kontakt zwischen uns, aber wir hatten immer ein neutrales Verhältnis. Jeder von uns ließ den anderen sein Ding machen. Die Konkurrenz wurde lediglich von den Medien herbei geschrieben, um Schlagzeilen zu bekommen. Jetzt sieht man Guildo eher bei Quizsendungen und B-Promi-Talkshows im Fernsehen. Soll er doch.

Besteht ein Unterschied zwischen dem Privatmensch und dem Bühnenmusiker Kuhn?
Mittlerweile weiß ich, dass ein Großteil des Privatmanns auch auf der Bühne steht. Anfangs glaubte ich, diese Kunstfigur geschaffen zu haben; doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich mir etwas vormache. Seitdem kann ich damit gut leben. Wenn ich privat Schlager höre, dann nur Kuhn-Platten. Ansonsten bleibt Schlager komplett außen vor. Einen Song mag ich aber besonders gerne: „Es war Sommer“ (Original von Peter Maffay, Anm.d.Red.), da stimmt die Atmosphäre, das Musikalische und auch der Textinhalt.

Woran machst du die Faszination des Schlagers fest?
Die Zuschauer inszenieren sich, meine Band und ich inszenieren uns – so entsteht jeden Abend eine einzigartige Symbiose. Ich liebe es, unterwegs zu sein und das Publikum mitzunehmen. Und die Leute wissen, dass es immer eine große, ausgelassene Party gibt, die gemeinsam gefeiert wird. Es ist wohl die Kombination aus all diesen Faktoren. Mit acht schönen Musikern auf der Bühne kann da kaum etwas schief gehen.

Und du stets mit Föhnwelle und Brusthaartoupet…
…na klar, das gehört immer dazu. Wie gesagt: alles eine Inszenierung.

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