Disco Maxim im Luna

 

Als sich die letzten Songs ankündigten, kam beinahe Wehmut auf. Umarmungen der Musiker, Worte des Dankes, und manch einer im Publikum griff verstohlen zum Taschentuch. Es hieß Abschied nehmen von Heidi Society, Sängerin und Tanzdame bei Disco Maxim, die ohne Auto und BahnCard vor der Strecke Hamburg-Kiel kapituliert und jetzt Pläne schmiedet, in der Weltstadt ein Star zu werden. Fakt ist: Abschiedskonzerte haben ihre eigenen Gesetze, selbst bei einer Band wie Disco Maxim.

„Bravo, bravo, hurra! Disco Maxim mit den besseren Liedern sind da!” Wie eine gestandene Hochzeitskapelle können die Kieler mit einem Opener und Pausenfüller glänzen, der zur Hymne im Luna mutierte. Denn der Text sagt so vieles, und doch gar nichts. Eine Betrachtung der Band nur von der musikalischen Seite aus wäre fatal einseitig – Disco Maxim stehen für ein Gesamtkunstwerk mit den Komponenten Outfit, Songmaterial, Ansagen und Dekoration. In allen Bereichen weisen die Fünf eine erfrischende Individualität auf, die man in Kiel kein zweites Mal findet. Zwischen den ergiebigen Gesprächen über Schuhpreise, Hosengrößen und spontane Programmänderungen wurde auch gemeinsam musiziert: Butch Quattros Gitarrenakrobatik, der leidenschaftliche Gesang und das von Horst Pillau jr. beherzt malträtierte Schlagzeug umschifften mit Leichtigkeit starre Formen wie Easy Listening oder Chanson, denn die bandeigene Punkattitüde blitzte immer wieder durch die skurrilen Songtexte. Neuzugang Oliver konzentrierte sich eher auf sein Bassspiel, statt zu versuchen, auf dem Humorlevel der Mitstreiter gleichzuziehen.

Bei Ron Bongiourno und Heidi Society am Mikro passte kaum ein Ton, aber genau das hatte Charme und Esprit, besonders auf französisch. Überhaupt zeigte sich eine frankophile Tendenz durch eigenwillige Bearbeitungen von France Galls „Teenie Weenie Boppie“ oder „Les Cactus“ von Jacques Dutronc. Nach der Pause fanden sich die ersten Tänzer vor der Bühne – die gemütlichen Sessel, mit denen alles zugeparkt worden war, passten nicht zum swingenden Beat der Band. Einer Band, die bewies, wie sympathisch Nonkonformität mit Stil wirkt. Vielleicht überlegt es sich Heidi ja noch einmal. Henrik Drüner