Eivind Aarset

 

Ob er sich als ein Teil der skandinavischen Musikerwelle fühle? Eivind Aarset zögert: „Ja und nein. Es existiert dieser Trend und eine Szene, die sehr fruchtbar und ständig in Bewegung ist. Aber die Beteiligten kommen alle aus sehr unterschiedlichen stilistischen Ecken, so dass es nur wenige Überschneidungen gibt. Den meisten Kontakt habe ich – wohl auch wegen der musikalischen Parallelen – zu Nils Petter Molvær und Bugge Wesseltoft.“

So wird das dritte Album von Gitarrist Aarset, „Connected“ (Jazzland/Universal), dieser Tage auch auf Wesseltoft’s Label veröffentlicht. Bereits auf den beiden bisherigen Werken „Electronique Noire“ und „Light Extracts“ kombinierte der Norweger zeitgenössischen Jazz mit elektronischen Beats und setzte neue Standards für Fusionmusik. Denn als waschechter Jazzer sieht sich Aarset nicht: „Die Klassiker habe ich nie gehört, eher die Miles Davis-Phase in den Siebzigern. Und ich weiß auch immer noch die Energie zu schätzen, die Heavy Metal auf mich ausüben kann.“ Ein Sammelsurium von Stilen, das perfekt vom Coverartwork interpretiert werden könnte: Das dicke, schwarze Kabel steht für das gesamte Album. In diesem wiederum befinden sich viele bunte, kleinere Kabel, die - von außen nicht sichtbar - erst in ihrer Summe den Inhalt ausmachen.

Während Aarset das Songwriting bisher eher im Alleingang erarbeitete, ergaben sich diesmal mit den Ideen der Bandmitglieder und Studiogäste ganz neue Möglichkeiten. „Dieser Input hat mir sehr geholfen und ließ wesentlich mehr Vielfalt zu“ zeigt sich der Jazz-Freigeist erleichtert, beispielsweise durch die Kooperation mit Dhafer Youssef. Der tunesische Sänger und Oud-Spieler bereichert den Song „Nagabo Tomora“ mit seinen exotischen Improvisationen und kreierte für den Text eine Kunstsprache, die „beinahe klingt wie ein Sushi-Gericht“ ergänzt Aarset lachend. Wie die Soundwelt zwischen Filmmusik und düsterem Ambient am besten zu bestaunen ist? Abends auf dem Sofa oder nachts auf dem Boden liegend? „Da habe ich mir noch gar keine Gedanken drüber gemacht.“ Kurze Pause. „Für den Anfang reichen wohl Kopfhörer oder gute Boxen.“

Henrik Drüner