Electric Groove Quartet im Tucholsky

Von Henrik Drüner

 

Bei Cover-Bands existiert das ungeschriebene Gesetz, sich nicht anzumaßen, den Song noch besser spielen zu wollen als im Original. Stattdessen sollte höchste Priorität daran gesetzt werden, dem Lied etwas Neues zu geben oder bezüglich Sound, Rhythmik oder Gesang zu verfremden. Das Electric Groove Quartet mühte sich im Tucholsky redlich, unbestrittenen Klassikern der Rockmusik eine frische Note zu verleihen.

Verwaist erstrahlte der Platz vor der Bühne, als die Schleswiger ihr Programm gegen 23.30 Uhr starteten. Im Nebenraum tanzte die Menge zu Bryan Adams’ „Summer of ´69“, doch von „Foxy Lady“ in der Version des Electric Groove Quartets nahm beinahe niemand Notiz. Mit Jimi Hendrix wählten Rüdiger Arp (Bass und Gesang), Ronald T. Carius (Keyboards), Ingo Obermöller (Gitarre) und Hans-Carsten Christiansen (Schlagzeug) auch gleich eine schwere Vorlage: Wenn der Zuschauer weiß, wie der virtuose Exzentriker auf der Bühne mit seinem Instrument hantierte, es anzündete, mit der Zunge die Saiten spielte, dann kann die Interpretation im Vergleich nur abfallen. Bei „Purple Haze“ und „Fire“ zeigte das Quartett die klassischen Rockgesten: Obermöller durfte sich als Flitzefinger beweisen und Christiansen die Felle malträtieren, während Bassist Arp ein Bass-Solo mit der geforderten Exzentrik des Originals zum Besten gab. Im Gegensatz dazu agierte Tastenmann Carius viel zu passiv. Nicht nur, dass sein E-Piano zu leise abgemischt wurde; auch seine Einwürfe und Akkordfüller wirkten bei einigen Songs etwas fehl am Platze.

Dabei zeigte die herrliche Schweine-Orgel bei „Wishing Well“ nach der Pause, dass das vierte Rad am Wagen durchaus seine Berechtigung hat. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt war das Publikum nicht mehr zu locken: Tanzen geriet zur Mutprobe für ausreichend Alkoholisierte und auch die Ansagen von Rüdiger Arp unterstrichen, dass die Band andere Erwartungen von diesem Abend hatte. Das Arrangement von Deep Purple’s „Smoke On The Water“ machte es vor: Statt des abgenudelten Gitarren-Riffs spielte das Keyboard ein jazziges Thema und interpretierte den Stampfer zu einem relaxtem Groover - daran sollte sich das Quartett aufbauen.