Emo

Die Wahl des Künstlernamens fiel Emil Jonathan Soegaard leicht, wenn auch mehr aus Verlegenheit: Er nutzte in Ermangelung einer besseren Alternative einfach seinen Spitznamen. Emo war auserkoren und entsprach somit vollkommen einer „corporate identity“. Auf einen Musikstil festlegen möchte sich der Kopenhagener allerdings nicht so schnell. Schon als Jugendlicher wechselten sich bei dem 30jährigen die Phasen von Dub, Broken Beats und Soul in schöner Regelmäßigkeit ab.

So entspricht auch sein Debütalbum „This is my Home“ (Stereo Deluxe/SPV) einer Kombination von Downbeat, Reggae und jazzigen Sounds, die durch den souligen Gesang des Dänen noch erweitert wird. „Du kannst die guten Ideen nicht planen“ begründet er sein Songwriting-Konzept, indem er sich völlig von Inspiration treiben lässt. „Meistens fällt mir zuerst eine Textpassage oder die Melodie vom Refrain ein, manchmal kann es aber auch bestimmter Beat sein.“ Womöglich entstehen auch nur in dieser Stimmung derart entspannte Songs, unterlegt mit leicht pluckerndem Rhythmus und einer gewissen flauschigen Nestwärme. Wärme trotz digitaler Elemente? „Das Einspielen mit analogen Instrumenten steht im Vordergrund. Zwar werden am Rechner auch digitale Klänge und Effekte wie Hall und Delay dazugemischt und verfremdet, aber nur als Ergänzung. Die Richtung eines Songs hängt aber auch davon ab, mit wem ich im Studio zusammengearbeitet habe.“

Neben seiner sechsköpfigen Band waren nämlich auch Kollegen wie Kasio und Daddy Ous (Nuspirit Helsinki), Boozoo Bajou oder Les Gammas (auch Remixer der ersten Single „You`re so fine“ auf Liquid Sound Lounge) als Produzenten oder Musiker an „This is my Home“ beteiligt. Live singt Emo entweder als Dub-MC beim Kopenhagener Low Pressure Soundsystem oder zelebriert seinen Sound mit Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards und Hörnern, denn: „Die Bühne ist für mich ein Ort der Entspannung.“ Beim Showcase in Berlin musste allerdings ein Soundsystem ausreichen. „Wir können uns das nicht leisten. Ich wüsste nicht, wer das bezahlen sollte!?“ Sorgen dieser Art werden Emo in nächster Zeit wohl nicht mehr beschäftigen. Henrik Drüner