Das Ensemble Du Verre verbreitet auf seinen Konzerten absolute Entspannung

 

Die Promoterin der Plattenfirma gab den Tipp nicht ohne Hintergedanken: "Such' dir einen richtig gemütlichen Platz, den du während des ganzen Konzerts nicht mehr verlassen möchtest!" Wer sich als Hörer einmal auf die Klänge von Ensemble Du Verre einlässt, wird gefangen genommen; nicht in Ketten gelegt, sondern vielmehr eingesponnen von den Tonschleifen und diffusen Electro-Jazz-Sounds.

Hinter dem Projekt Ensemble Du Verre steckt hauptsächlich Sönke Düwer, dessen Ergebnis jetzt mit dem Album facing, transparent (fante/SPV) vorliegt. Als Schlagzeuger der Lübecker Formation Groove Galaxi, die 2003 beispielsweise das Vorprogramm von Pat Metheny im Kieler Schloss übernahmen, kennt Düwer das Defizit seines Instruments. Im Interview mit dem Magazin Jazz thing schildert er, dass er schon früh das Bedürfnis verspürt habe, Musik zu gestalten, dies als Schlagzeuger aber eigentlich nicht könne. "Ich beneide die Instrumentalisten. Ich meine, ein Pianist kann riesige Welten erschaffen. Am Schlagzeug kann man zwar vieles imaginieren, aber man kann es nicht hören." Düwers Lösung: Er schnitt Studioaufnahmen von befreundeten Musikern mit und verarbeitete dieses Rohmaterial zu völlig neuen Tracks, die nach Schichtungen, Verschiebungen und Verfremdung in zwei Jahren Bastelarbeit am Computer eine völlige Neuordnung erfuhren.

So entstand ein Konglomerat aus Sounds, das zuweilen wabert wie eine Lavalampe, dann wiederum – mit einem rhythmischen Groove unterlegt – Strukturen zumindest andeutet. Weitere feste Mitglieder in dem Trio sind Claas Überschär (Trompete) und Daniel Cordes (Bass), die den Tonlandschaften eine organische Note geben. Stilistisch irgendwo zwischen Nils Petter Molvaer und Bugge Wesseltoft anzusiedeln, benötigt auch Ensemble Du Verre die Aufmerksamkeit des Hörers, um in die Tiefen der Songs einzudringen. Dann jedoch verbreitet sich absolute Entspannung. Wie beim Erschaffer Düwer: "Das war in den letzten zwei Jahren das ideale Ausgleichsprogramm für mich, wenn ich mal frei hatte: Andere gehen einen Tag Fahrrad fahren, ich ging an den Computer." Henrik Drüner


Heute, Luna, 21 Uhr.

nordClick/Kieler Nachrichten vom 26.05.2004 01:00

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