Das vierte Festival Son Cuba vereint Traditionelles und Innovatives



Der Son Cubano, Musik und Sinnbild der Karibikinsel, ist Ausdruck einer universellen Lebensfreude. Als Bestandteil einer Lebensphilosophie kennen die Anhänger die Höhen und Tiefen des Lebens und sehen glanzvolle ebenso wie trübselige Momente als Teil eines ausgefüllten Daseins an.

Die Authentizität dieses Gefühls hat Jahrzehnte wechselhaften Geschicks und wechselnder Herrschaftssysteme auf Kuba mühelos überdauert und erfreut längst auch die Gemüter außerhalb der Karibik. Das Festival Son Cuba spiegelt bereits zum vierten Mal die musikalische Vielfalt des Son Cubano und vermittelt das unnachahmliche Flair dieser Musik. Das Programm spannt einmal mehr einen musikalischen Bogen von den afrikanischen Wurzeln über die Tradition der Trova hin zur zeitgenössischen Musik Kubas: lyrischen Son und romantische Boleros wird es ebenso zu hören geben wie ländliche Guajiras, flotten Cha Cha Cha und schnelle Guarachas, swingenden Mambo ebenso wie den perkussiven Rhythmus des Afro oder populäre Mischformen wie die Salsa - zum Tanzen ebenso geeignet wie für Freunde des gefühlsbetonten Liedguts.
Pablo Varona, Jahrgang 1929, mit über 50 Jahren Bühnenerfahrung als Bolero-Sänger, gilt als ein Meister dieser Königsdisziplin. Sensibilität und Gefühl sind die Kriterien, die ihn zu einem großen Sänger machen sowie die Befähigung, wahre Emotionen zu vermitteln, ohne kitschig zu werden. Das Magic Quartet De Saxophones verkörpert die Liebe zum Latin Jazz. Diese Stilform führte die Musiker dazu, außerhalb ihrer Tätigkeit beim Tropicana-Orchester in Santiago, kubanische Klassiker und Jazzstandards für ein Saxofon-Quartett zu arrangieren und bekannten Melodien neue Frische zu verleihen.

Carlos Manuel Céspedes, im vergangenen Jahr noch solo beim Festival, wird begleitet von einem Trio. Doch seine wunderbar sanfte Stimme, sein eindringliches Gitarrenspiel und seine melodischen Kompositionen werden auch in dieser Besetzung das Publikum sofort verzaubern. Die Musiker der Trova Camagüeyana, einige weit über 70 Jahre alt, haben sich allein dem traditionellem Son verschrieben. Mit Gitarre, Trés (einer kleinen kubanischen Sologitarre), Kontrabass, Conga, Maraca nahezu klassisch instrumentiert, spielen sie bekannte Kompositionen von Miguel Matamoros, Manuel Corona oder Faustino Oramas. Zum Abschluss lebt Pianist Manolito Simonet die Salsa aus, jene in den 60ern entstandene, hochenergetische Mischform kubanischer Rhythmen und populärer Stile (wie etwa Jazz und Pop) von der nördlichen Hemisphäre. Einige seiner Kompositionen, beispielsweise El Aguila, gehören zu den bekanntesten Salsa-Songs überhaupt. Beim diesjährigem Festival Son Cuba wird er zunächst solo am Klavier auftreten und dann das große Finale aller beteiligten Musiker bei diesem dreistündigen Konzerterlebnis leiten.


Freitag, 20 Uhr, Räucherei

Von Henrik Drüner


Aus den Kieler Nachrichten vom 15.09.2004