Szenen-Tipp: Festival Son Cuba in der Pumpe Kiel

Mehr als drei Stunden Karibik-Rausch


Kiel - Die Umschreibung einer „Descarga Final“ als ordinäre Jam Session gäbe nur ansatzweise den musikalischen Sturm wieder, der am Ende eines mehrstündigen Son-Cubano-Konzerts aufzieht. Alle beteiligten Künstler kommen dann auf der Bühne zusammen und reißen die Zuschauer durch ihre feurigen Improvisationen und lateinamerikanischen Rhythmen mit. Vielleicht der Inbegriff von vertonter Leidenschaft. Doch der Weg ist auch hier das Ziel: Im Festival Son Cuba bündelt sich die enorme Vielfalt der kubanischen Musik.

Bei einer Kuba-Nacht ist der Ausdruck einer allseitigen Lebensfreude ständig präsent. Auf der Karibikinsel gehören glanzvolle ebenso wie trübselige Momente zu einem ausgefüllten Dasein. Der Son Cubano ist musikalisches Sinnbild dieser Lebensanschauung. Programmschwerpunkte beim diesjährigen Festival, das bereits in seine neunte Auflage geht, sind afrokubanische Rhythmen und Tänze, vorgetragen von Künstlern und Gruppen verschiedenster Musikstile und Generationen.

Selbst der andauernde internationale Salsa-Tanz-Boom könnte seine Wurzeln im Son Cubano haben. Salsa, auf Kuba Casino genannt, bezieht seine enorme Ausdruckskraft und Dynamik aus der afrokubanischen Folklore. Das Ensemble Afro Rumba All Stars geht diesen Ursprüngen auf den Grund, indem es sinnlichen Tanz und treibende Perkussion verbindet.

Einen imposanten Karrierestart konnte Ivette Cepeda hinlegen, als sie 1992 in der Gruppe Sello Cubano des kürzlich verstorbenen Bassisten Cachaito López (Buena Vista Social Club) debütierte. Besondere Merkmale bei ihr sind die samtweiche Stimme und eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz, die beim Festival erstmals in Deutschland bewundert werden können. Das Repertoire im Zusammenspiel mit ihrem Quartett Reflexión umfasst neben traditionellen Songs auch Werke zeitgenössischer Komponisten.

Das Sexteto Universal präsentiert die Essenz des Son in klassischer Besetzung: Tres, Gitarre, Kontrabass, Bongo, Maracas und Trompete. Der Tres-Spieler Cesar Hechavarria entführt uns mit seinem akustischen, gleichwohl druckvollen Projekt nach Santiago. Hier, in der kleinen Casa de la Trova, vermutet man den Gralshüter des Son Cubano.

Als Gaststar konnte Gitarrist David Alvarez verpflichtet werden, der zu den versiertesten Singer-Songwritern Kubas zählt. Neben seiner elfköpfigen Tanzband Juegos de Mano vermag der studierte Musiker vor allem als poetischer Trovador-Solist seine Klasse unter Beweis zu stellen. In den frühen Neunzigern begleitete er Pedro Luis Ferrer, in seiner Heimat seit vier Jahrzehnten einer der populärsten Chansonisten. Mittlerweile kann Alvarez auf diverse eigene CD-Veröffentlichungen zurückblicken, bei denen er seine intimen Kompositionen stets mit nuancenreicher Stimme interpretiert.

So viel ist sicher: Nach drei Stunden Kubarausch wird der Höhepunkt, die finale Descarga, nicht auf sich warten lassen.

Sonnabend, 9. Mai, 21 Uhr, Pumpe Kiel

KN-Online