Feiste Party: Fettes Brot auf der delta radio-Bühne

 

Drei Hamburger mit'm Monsterbass, stehen auf der Bühne und erzählen sich was: Wenn Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister zur Audienz bitten, sind knapp zwei Stunden "happy HipHop" und eine feiste Party in der Halle400 programmiert. Alle wollen die knallharten Burschis im Vierviertel-Takt abfeiern, alle wollen Fettes Brot! Aufgrund der – gelinde gesagt – suboptimalen Einlasspolitik kommt es vor dem Eingang allerdings zu teilweise dramatischen Szenen, Ordner verlieren den Überblick und ihre Beherrschung, bevor das Konzert mit Verspätung, aber zumindest vor ausverkauftem Haus startet.

Nach zwölf Jahren Bandgeschichte hat sich bei Fettes Brot ein stattliches Hit-Repertoire angesammelt, das an diesem Abend auch gebührend zum Einsatz kommt. Alle drei, mittlerweile um die 30, versprühen dabei immer noch den Lausbuben-Charme der Anfangstage. Gleichberechtigt und einträchtig stehen sie nebeneinander auf der delta radio-Bühne, nur ausgestattet mit dem Instrument der eigenen Stimme. Und sie haben den Dreh raus, nehmen sich nicht immer zu ernst und haben auch keine Angst davor, uncool zu sein – der gegenteilige Effekt kommt dann von alleine. Im Hintergrund bearbeitet DJ exel.Pauly die Vinylscheiben und Samples, scratcht und setzt exakte Breaks. Auf diesem bassigen Fundament beweisen die fantastischen Drei Wortwitz, Elan und Schalk im Nacken.

Bis in die letzten Reihen wippt die johlende Masse. Die Hymne der Norddeutschen, Nordisch By Nature, verursacht im abgewandelten Beatgewand allerdings einige Umstellungsprobleme. Zwischen den Songs quasseln "Björn Beton", "Rock'n'Roll Coseng" und "Speedy Konsalik" über die Libido des Kieler Publikums, stimmen A-cappella-Versionen grenzwertiger Radioverbrechen an und versprühen beste Laune und Kurzweil. Über Können diese Augen lügen, The Grosser und Da draussen steigert sich das Stimmungsbarometer bei bestem Sound bis zum Höhepunkt Jein: Im großen Chor besingt die ganze Halle das Zwiegespräch zwischen Engelchen und Teufelchen, die auf der Schulter sitzen – beeindruckende Minuten im Kieler Konzertleben! Zur jüngsten Single Schwule Mädchen – das löbliche Statement gegen die grassierende Homophobie im deutschen HipHop – kann noch einmal der Körper durchgeschüttelt werden, bevor Fettes Brot Dankeschön und Auf Wiedersehen sagen. Von Henrik Drüner

nordClick/Kieler Nachrichten vom 23.06.2004 01:00