Weit mehr als nur Country: Ford Broncos in der Schaubude

"Yeah-ha" – die Cowboys sind los! Im Wilden Western der Neuzeit reitet der Troubleshooter aber nicht mehr auf seinem Gaul, sondern fährt Ford Bronco. Ein Geländewagen mit folgenden Eigenschaften: schwer, groß, unpraktisch in der Stadt und mit seiner Drei-Liter-Maschine kolossal im Verbrauch. In der Prärie sind jedoch echte Männer gefragt, und somit auch echte Karren – nicht von ungefähr wählte die Kieler Band diesen Namen aus.

In der Schaubude zogen die Ford Broncos ihre Cowboyhüte und spielten vor vollem Haus für Freunde der amerikanisierten Musik auf. Dabei lief das Programm nicht nur auf die obligatorische Country Music hinaus, sondern bot auch Elemente aus Cajun und Bluegrass, beheimatet in Südwest-Louisiana und dem östlichen Texas. Verantwortlich hierfür zeigte sich besonders das Banjo von Mt. Mike Mallone, der mit charakteristischen Akkordbrechungen den Sound komplettierte. Kasimier ersetzte am Waschbrett mit perkussivem Schlagen, Schrubben und Klopfen das Schlagzeug und lieferte mit dem grummelnden Kontrabass von Madball Mario das Klangfundament.

Im Mittelpunkt stand Sänger und Gitarrist Bruno T. Ford, dessen Stimme zum Zuhören geradezu einlud: Mit angenehm wenig Effekthascherei beladen, erzählte er kurzweilige Geschichten über den sonntäglichen Chillout, den notorischen Kiffer in Steady Rollin' Man oder über die Frage, warum man nicht immer das machen kann, was man gerade will (Anything I Want). Der mehrstimmige, oft leidenschaftliche Backgroundgesang trug ebenfalls zur vokalen Harmonie in den Refrains bei. Coversongs der Bluegrass-Legende Bill Monroe wechselten mit einer countryesken Interpretation des Beatles-Stücks Rocky Raccoon und eigenen Kompositionen, ohne die musikalische Linie zu verlassen.

Durch die Variation des Immergleichen offenbarte diese Konstanz jedoch gleichzeitig Fluch und Segen: Die Arrangements hätten vielleicht etwas mehr Raum für ein Solo oder ein herausstechendes Thema bieten müssen. Besonders bei den Gästen Kai (Mundharmonika) und Jewu (mit Steel Guitar auf dem Schoß) machte sich dies bemerkbar, da ihre Beiträge fast im Tutti-Alarm untergingen. Doch einen Cowboy kann nichts erschüttern – genau so wenig wie sein widerstandsfähiges Gefährt.

Von Henrik Drüner

nordClick/kn vom 20.01.2004 01:00