"Die drei ???": 25 Jahre offene Fragen


Am 12. Oktober 1979 begann mit der ersten Die drei ???-Folge eine neue Hörspiel-Ära. Mittlerweile haben die Abenteuer der drei Detektive aus Rocky Beach / Kalifornien – Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews – Kultstatus erlangt. Das Besondere: Hörer sind weniger die Acht- bis 14-Jährigen, sondern eher die zwischen 20 und 35. Zum Jubiläum und der überarbeiteten Version der Startfolge Der Super-Papagei kamen die drei Sprecher zu R.SH ins Funkhaus Wittland.

Fühlt ihr euch als Popstars, wenn, wie vergangene Woche in der Hamburger Color Line Arena, 12500 Menschen euch mit stehenden Ovationen feiern, obwohl ihr nur ein Hörspiel vorlest?

Wawrczeck: Das kommt bei uns gar nicht so an. Aber die Veranstaltung in Hamburg war schon wirklich unglaublich: Wir sind da raus, und als die alle aufgestanden sind, rutschte uns dreien ein Kloß in den Hals.

Rohrbeck: Das macht man einmal im Leben. Eine Lesung ist eigentlich etwas Kleines. Wir sind Schauspieler und haben Theaterspielen gelernt, doch vor so einem Publikum – sensationell. Im Grunde hätten wir auch nie gedacht, dass man uns derart mit den drei Detektiven verbindet und personifiziert.


Seit 118 Folgen sprecht ihr für drei 16-Jährige, seid allerdings selber um die 40. Könnte es den Punkt geben, an dem das nicht mehr funktioniert?

R: Das kann man ganz klar beantworten: Das kann schon sein! Im Moment ist der Fall noch nicht eingetreten, aber vielleicht kommen wir uns dabei irgendwann bekloppt vor. Ein Hörspiel ermöglicht aber auch die Illusion, besser als bei der Synchronisation eines 16-jährigen Körpers. Wie sehen denn Justus, Peter und Bob bei dir aus? Ich selber hab' da auch nur ein Schema.

W: Wenn ich ein Hörspiel höre, mach' ich mir keine bestimmte Vorstellung von der Optik. Insofern klappt das auch bei uns, da die Kombination aus allen drei Stimmen fast alterslos ist. Je mehr man jedoch darüber nachdenkt, desto weniger wird man wohl dem Phänomen gerecht.


Wie erklärt ihr euch den Erfolg bei Erwachsenen? Gibt es auch solche, die erst im Alter zu euch stoßen?

R: Die gibt es sicher!

W: Ja?

R: Ja, ganz viele. Die werden dann von ihren Freunden dazugezogen, quasi gezwungen. Mit der Zeit finden die es dann auch schön und bewahren sich dadurch ein kleines Stückchen Kindheit: Wohlgefühl, das gute Zuhause und eine heile Welt. Das taugt zudem – wie bei anderen Hörspielen auch – ganz hervorragend als Schlafmittel.


Steht ihr prototypisch für den jüngst beschriebenen "kidults"-Trend?

Alle drei: Den was?


Die Kurzform aus "Kids" und "Adults": Erwachsene, die verstärkt ihrer kindlichen Seite nachgehen..

W: Das hör' ich zum ersten Mal...wir unterstützen sozusagen eine Neurose!?

Fröhlich: Ich finde die Diskussion total interessant, könnte mir auch vorstellen, dass da was dran ist. In Japan flüchten gestresste Arbeitnehmer in eine Manga-Welt, spielen mit Barbie-Puppen, masturbieren vor dem Fernseher...

R: ...und hören "Die drei ???"!

Alle drei: Nein!

nordClick/Kieler Nachrichten vom 12.10.2004 01:00