Frank Spilker Gruppe - Himmelskörper auf fremder Umlaufbahn

Kiel – Platte, Tour, Platte, Tour – der stetige Rhythmus des Berufsmusikers. Auferlegtes Los der Routine. Auch bei Die Sterne, der Hauptband von Sänger und Gitarrist Frank Spilker, lief bislang alles in geordneten Bahnen. Nun bricht der große Mann aus Hamburg aus diesem Rhythmus aus. Mit der Frank Spilker Gruppe, kurz: FS.G, hat er sein Solodebüt Mit all den Leuten aufgenommen. Am Freitag präsentiert er die Spannungsfelderweiterung im Kieler Weltruf.

Die anderen Sterne-Mitglieder wurden überschüssige Energien bei ihren diversen Nebenprojekten los, nur Frank Spilker nicht: Er hatte keins. Um das zu ändern und einen Kanal für die Folgen wuchernder Kreativität zu finden, beschloss der 41-jährige Wahl-Paulianer allein los zu ziehen, denn „Solo is the new Kollektiv”. Eine kreative Zellteilung nach zwölf Jahren und neun Platten, die er mit Hilfe von Matthias „Tex“ Strzoda (auch Drummer bei Rocko Schamoni, Andreas Dorau und JaKönigJa) und Bassist Max Knoth (Mobylettes, Bazooka Cain) sowie einigen Gästen verwirklichte.

„Es ist zu 90 Prozent ein Soloalbum“, erklärt Spilker. „Ich habe es alleine konzipiert, in der Frühphase mit Schlagzeuger gearbeitet und dann eine Woche als Band geprobt, bevor es schließlich ins Studio ging.“ Der Vorteil gegenüber einem Bandgefüge: keine Demokratie, keine Einschränkung, pure Textfreiheit. „Alles bewegt sich zwischen den Polen 'Einsamer Mann' und 'Mit all den Leuten', also weg von den inneren Konflikten und Monologen, hin zu einem Auflösen in einer Masse. Dieses Bedürfnis entsteht aus einem Gefühl der Isolation. Das Ziel: einfach mal Urlaub von sich selbst machen.“

So entstanden Lieder, die nach dem Ende von V2 Records auf dem Berliner Label Staatsakt veröffentlicht wurden. Extrem vielfältige Stücke, die zwischen einem analogen Elektrosong, angetrunkenen Chansons, Blues, luftigem Pop und Smiths-Zitaten mäandern. Zusammengehalten wird der Stilmix durch die intelligenten und poetischen Texte. Es geht um Verunsicherung, Selbstreflexion und darum, wie Gemeinschaft funktionieren kann, ohne sein kritisches Bewusstsein aufzugeben.

Zweimal, bei "Me Only" und "Ex-Lover's Paintings", versucht sich Frank Spilker auch an englischen Texten. Doch seine Stärke liegt eher in dem Selbstverständnis, das er im Umgang mit der eigenen Sprache so realistisch und bildstark nach außen trägt. Spilker singt sich durch die eigene Geschichte, durch das Leben vor und mit den Sternen: Schmusen im Erdkundeunterricht während der Lehrfilm läuft, Schlägereien auf dem Schulhof, erste Schülerbands, Saufgelage, Kassettentausch in der Raucherecke und schließlich der erste Blues – alles versprüht eine Unbekümmertheit, die eigentlich nur einem unschuldig-euphoriegeladenen Debütanten zuzutrauen wäre.

„Ich würde es als konsequentes Album beschreiben, das die Dinge noch stärker kondensiert und auf den Punkt bringt“, sagt Spilker. Mit der festen Begleitband geht es mehr als um einen Pausenfüller bis zur nächsten Sterne-Platte. In der Musik wohnt den Augenblicken zwischen den Tönen zu viel Bedeutung inne.

Von Henrik Drüner

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